Sonntag, 30. August 2009Heisse Nächte in Mitterwindach
Das ist natürlich alles Unsinn, die angebotenen Produkte gibt es dort sicher überhaupt nicht und einmal wurde sogar die gleiche Abbildung mit unterschiedlichen Namen und technischen Daten beworben. Mitterwindach wird mein neuer Testfall für unsinnige Ortssuche. Den Ort gibt es nämlich als offizielle Bezeichnung gar nicht (mehr?). Die Koordinaten deuten auf ein unbebautes Stück Wiese. Weder der Ortsplan der Gemeinde Windach noch das Landesvermessungsamt oder das statistische Landesamt kennen den Ortsteil. Lediglich historische Landkarten aus dem 19. Jahrhundert zeigen dass die Gegend östlich der Strasse namens "Burgstall" mal so hiess. Trotzdem bringt eine Suchmaschinenabfrage danach unwahrscheinlich viele Treffer. Von "Unternehmen und Dienstleistungen" über "Maps Weather and Airports" und "Blogs Popular with Mitterwindach Readers" bis zu "75% Rabatt für Hotels in der Nähe von Mitterwindach". Der Grund dafür ist einfach, alle nehmen uralte Daten amerikanischer Behörden und basteln sich für jeden dort eingetragenen Ort eine Werbeseite mit "Hotels in der Nähe von ..." um bei der Suche nach dem Ort in der Suchmaschine zu erscheinen. Anbieter ortsbezogener Werbung blenden auch diese Orte ein, wenn sie die IP-Adresse eines Besuchers in der Nähe dieses Ortes vermuten. Deutsche Behörden hegen ja die die recht bizarre Vorstellung, dass ihre Daten Behördeneigentum sind und irgendwelchen Urheber- oder Datenbankrechten unterliegen und rücken die Geodaten bestenfalls zähneknirschend für Umsonst und zur freien Verbreitung raus, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Die Amerikaner dagegen sind der Auffassung, dass Daten, deren Erhebung mit Steuergeldern finanziert wurde auch zum Selbstkostenpreis weitergegeben werden müssen. Mit "Selbstkostenpreis" meinen die übrigens die Kosten des Rausrückens, also Kopierkosten und Porto, nicht die Arbeitszeit bei der Erhebung, Aufbereitung, Verwaltung und Archivierung der Daten. Häufig gibt es die Daten auch kostenlos im Internet, weil sie keine Lust haben, Kopierkosten einzutreiben und zu verwalten. Danach sind die Daten frei. Wer sie hat, darf sie beliebig verbreiten und verwenden, egal ob er das umsonst macht oder damit Geld verdient.
Deshalb verwendet jeder, der irgendwas mit Ortssuche macht, die Datenbank von der NGA, der "National Geospacial-Intelligence Agency". Die kümmern sich um die Karthographie für das Militär und die Geheimdienste und haben eine Datenbank, in der jeder Ort der Welt verzeichnet sein sollte. Diese Daten kann man dort runterladen und für eigene, auch kommerzielle, Anwendungen verwenden. Der Datenbestand der NGA ist zwar gross, halbwegs genau und recht vollständig, aber relativ ungepflegt und alt. Für Deutschland sind sie häufig auf dem Stand der späten Vierzigerjahre, als die Amerikaner systematisch Daten aus deutschen Karten zusammengetragen und in die Karteikästen gestopft haben. Schliesslich war das eine einmalige Gelegenheit, alles zu erfassen und man wollte den nächsten Kriegsschauplatz möglichst gut kartographiert haben. Natürlich sind auch neuere Ortsnamen dazugekommen, aber die alten von 1945 blieben weiterhin dort liegen, was im einen oder anderen Fall bei den Anwendern dieser Datenbank schon zu Verwirrung geführt hat, vor allem, weil dort auch nirgends vermerkt ist, wann für Ortschaften z.B. die Bezeichnung "Karl-Marx-Stadt" und "Stalinstadt" oder "Chemnitz" und "Eisenhüttenstadt" korrekt war und ein Stadtteil "Friedrichshain"oder "Horst Wessel" genannt wurde. Was ich nur nicht verstehe: Warum gleichen die Werbemacher die Daten nicht wenigstens mit irgendeiner Datenbank grösserer Städte ab sondern nehmen stur eine Umkreissuche "bewohnter Plätze" um die geortete IP-Adresse? Eine Grosstadtliste gibt es zwar nicht bei der NGA (da ist das Feld für Einwohnerzahl meisstens leer), sollte aber aufzutreiben sein. Schlimmstenfalls zahlt man dafür und lässt eine billige Arbeitskraft Orte mit mehr als 50 Seiten im Telefonbuch zusammentragen oder aus der Wikipedia die Liste der 2073 Städte in Deutschland abtippen. Würden die einem Olchinger Waren und Dienstleistungen aus München oder Augsburg anbieten, würde der vielleicht sogar glauben, dass die Angebote echt sind und sich auf der beworbenen Seite anmelden. Bild: Hintergrundkarte von Openstreetmap unter CC-BY-SA-Lizenz
Dienstag, 19. Mai 2009Malen nach ZahlenIch hab mir gedacht, wenn ich schon die shapefiles der neuen bunten Karten und Listen mit Ländercodes und eingedeutschten Ländernamen für den Geocounter rumliegen hab und auch schon für andere Dinge, wie z.B. die Verteilung der Tor-Server in der Welt verwende, kann ich auch gleich was nützliches draus bauen. Ich hab natürlich wie immer den Aufwand völlig unterschätzt, der zwischen "Ich hack ein paar Werte in eine Datenbank, fummel an einem Script rum und erzeuge eine Grafik" und "Ich lass fremde Leute ihre Werte und Lieblingsfarben in ein Formular eingeben und ihre eigenen Karten erstellen" liegt. Aber dank fleissiger Unterstützung meiner usability-consultants ist was halbwegs nutzbares rausgekommen.
Das ganze funktioniert nur mit statistischen Werten, die man nach Staaten sortiert vorliegen hat, für andere geographische Einteilungen (Klima-, Vegetationszonen) fehlen mir einfach die Daten. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibts auch Karten bis zur nächsten Verwaltungsebene der Bundesländer und Kantone. Zu erreichen ist die Kartenwerkstatt unter http://geo.dianacht.de/makemap/, man muss ein bisschen Geduld mitbringen, die Datenbank hier ist nicht so schnell. Als Exportformat stehen PNG für Bitmaps und SVG als Vektorgrafik zur Verfügung. Ich würde dafür allerdings die Beschriftung der Karte ausschalten. So richtig schön werden nämlich die automatischen Beschriftungen nicht plaziert, der anspruchsvolle Benutzer ist mit einer leeren Grafik zur nachträglichen Bearbeitung sicher besser bedient. Die fertigen Bilder stehen unter Creative Commons-Lizenz (CC--BY-SA), sind also beliebig verwendbar, solange man dazuschreibt, wo man sie her hat und seinerseits erlaubt, dass sich andere Leute an den fertigen Karten zu den gleichen Bedingungen bedienen. Mir persönlich hätte ja eine schlichte Namensnennung auch gereicht, allerdings bin ich an die Lizenzbestimmungen des Herstellers der shapefiles gebunden. Das ist sein gutes Recht, je mehr ich mich mit diesen Dingen beschäftige, desto mehr Respekt hab ich vor Leuten, die sich um die Bearbeitung von Küstenlinien kümmern. Nachtrag: Ich hab mir neue Shapefiles besorgt. Jetzt langt die Namensnennung.
Geschrieben von Max
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Dienstag, 21. April 2009Neue bunte KartenBeim Geocounter gibts neue Karten. Ich hab mir mal Mapserver installiert, das ist ein Programm, das Geodaten im Vektor- oder Rasterformat frisst und daraus schöne Bilder erzeugen kann. So richtig verstanden hab ich das (wie sämtliche Kartentools mit denen ich rumbastel...) nicht, aber ich brings zum laufen und schaff sogar eine Anbindung an eine MySQL-Datenbank mit Besucherzahlen und Ländernamen. Freundlicherweise stellen uns die Amis ja Weltkarten für umsonst zur Verfügung, weil sich dort die Idee verbreitet hat, dass der Steuerzahler kein zweites Mal für Daten zahlen muss, die er schon mal finanziert hat. Mit der amerikanischen vmap0-Karte, lässt sich also schon mal ganz gut anfangen und es gibt auch einen freundlichen Zeitgenossen, der das Format in ein handlicheres "Shapefile"-Format umgewandelt hat. Ich musste dann nur noch die Ländernamen eindeutschen und die merkwürdigen FIPS 10-Codes, mit denen amerikanische Behörden die Länder numerieren in eher verbreitete ISO-3166-1-Codes (das was die Länder als Toplevel-Domain haben) übersetzen.
Geschrieben von Max
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Donnerstag, 12. März 2009KartenbastelnFalls mich hier jemand die letzte Zeit vermisst hat, ich war im Keller beim Basteln. Oder eher beim Büffeln, dieses OpenLayers ist zwar ein schönes Stück Software, aber irgendwie widersetzt es sich seiner Benutzung. Vielleicht fehlt mir auch irgendwie der Zugang und ein echter Kenner programmiert damit mit links. Ich hätte mir ja sogar ein Buch dazu gekauft, aber scheinbar ist der Markt da zu klein, um als Autor erfolgreich zu sein, es gibt anscheinend keines. Ausserdem habe ich "Maps-For-Free" entdeckt. Eine recht schön gerenderte Reliefkarte der ganzen Erde, basierend auf freien Geodaten der NGA, passend in Kacheln zerlegt zum Einbau in eigene Anwendungen. Das schöne daran ist, dass der Macher dieser Karte die beliebige Verwendung unter der GNU Free Document License erlaubt, klingt nicht so sehr aufregend, aber wenn man sich mal eine Zeit mit der Suche nach freien Karten beschäftigt, weiss man das echt zu schätzen. Falls man keine allzu grossen Masstäbe braucht, kann man die auch runterladen und selber einen Tileserver dafür betreiben. Mit 200MB schaffe ich die ersten acht Zoomstufen, höhere Auflösungen sind für meinen Bedarf nicht so wichtig. Rausgekommen ist ausser einem neuen Layer für den Geocounter noch eine neue Navigation für unsere Urlaubsberichte, die vor allem in Zukunft viel Bastelei mit immer schlechter runterkomprimierten JPGs ersparen soll. Und ich hab nebenbei meine Liste mit den Länderkennungen vervollständigt, brauch ich ja auch für den Geocounter. Da erwirbt man wirklich nützliches Wissen, ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass mitten in Europa in der Ostsee ein halbautonomes Gebiet mit eigener Kennung und eigener Toplevel-Domain ".ax" existiert. Sonntag, 28. Dezember 2008Kleiner KartenserverEigentlich wollte ich mir ja einen richtigen Kartenserver zulegen. Ich habs auch geschafft, mir einen UMN-Mapserver zu installieren (geht einfach, gibt ein Debian-Paket), wusste dann aber nicht weiter. Das ganze wurde plötzlich so verwirrend, als es um die Einbindung irgendwelcher Karten ging und eigentlich war ich schon bei dem Punkt überfragt, wo ich erstmal eine einfache Weltkarte hernehmen soll, einfach nur zum spielen. Die Leute, die sich damit auskennen, will ich in ihren Foren auch nicht unbedingt belästigen. Ich glaube, Leute die nichtmal den Begriff "Projektion" erklären können, sind dort nicht sooo beliebt als Fragesteller. Und allzuviel büffeln will ich auch nicht dafür. Vermutlich hätte es eh nicht richtig funktioniert. Ein WMS-Server hat Karten in Form von Vektordaten und rechnet die live in Pixel um, damit die Karte dann als Bild ausgeliefert wird. Da wäre ich hier mit meinem Viertelgigabyte recht schnell an die Grenzen gestossen. Zum Rumspielen hab ich mal eine einfache Weltkarte genommen und die Daten des Geocounters draufgemalt. Die grünen Gegenden sind die Heimat der erwünschten Besucher der Seiten, die sich dort eingetragen haben. Die roten Gegenden sind die Brutstätten der Würmer, die Standorte der Spamschleudern und die Herkunft der Portscans Das Ergebnis ist nicht weiter überraschend: Erwünschte Besucher kommen fast alle aus Deutschland, Österreich und den Nachbarländern, weil die Leute dort Deutsch können. International verständliche Inhalte haben wir nur wenig. Würmer dagegen brauchen keinerlei Sprachkenntnisse um sich zu verbreiten und die Spammer sind eh global agierende Botnetze und können auch gut aus Osteuropa, aus Amerika oder dem Fernen Osten arbeiten.
Geschrieben von Max
in Bastelspass, Geocounter, Landkarten
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