Samstag, 27. Oktober 2007Abkürzungswahn ...Dabei ist es ganz einfach: M.C.P.R.V.B.D.S.R.I.A.E.E ist schlicht die Abkürzung von "Maximilian, Comes Palatinus Rheni Utriusque Bavariae Dux, Sacri Romani Imperii Archidapifer Et Elector" oder "Maximilian, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog beider Bayern, des Heiligen Römischen Reiches Erztruchsess und Kurfürst". "Archidapifer" hat die meisten Probleme bereitet. Sieht ja sowas von falsch und unlateinisch aus, dieses Wort. Aber Dapifer ist tatsächlich der korrekte Titel des kaiserlichen Oberkellners, dessen Job (und dessen Amt als Kurfürst und dessen Ländereien in der Oberpfalz) Maximilian als Kriegsbeute zu Beginn des 30-jährigen Krieges einkassieren konnte. In manchen Münzforen steht da "Archidux" als Übersetzung. Klingt besser, würde dann aber garnicht zu Maximilian passen. Erzherzöge gabs hierzulande keine. Dafür ist die Rückseite einfach: "Soli Deo Gloria". Einzig zur Ehre Gottes wurden damals die Münzen geprägt ;) Nachtrag 10.3.08: Weil grad einer per Google-Suche nach "mcprvbdsriaee" hier vorbeigeschaut hat, hab ich nochmal bei den Münzfreunden nachgesurft... Ursprünglich stand da "Herzog von Bayern". Richtig müsste es "Herzog beider Bayern" heissen, weil man anscheinend auch 120 Jahre nach der Wiedervereinigung von Bayern-München und Bayern-Landshut noch stolz darauf war, beides zusammenhalten zu können. Ob für die beiden Herzogtümer schon die Begriffe "Ober- und Niederbayern" verwendet wurden, weiss ich nicht sicher. Dienstag, 18. September 2007Beleidigende Schablone
Irgendwie fühle ich mich an meine Jugend erinnert. Damals, in den Achtzigern wurde ein Lehrer bei uns noch unter fadenscheinigen Gründen vom Erdkundeunterrricht suspendiert, weil er das Strauß-Zitat von 1966 "Ich würde lieber Ananas in Alaska züchten als Bundeskanzler sein" genüsslich zitierte, als FJS seine Kandidatur zum Kanzleramt 1980 bekannt gab. Ein unbekannter Schüler seiner Klasse rannte daraufhin zu seinen Eltern, die zum Ministerium rannten, das dann die Schulleitung um Aufklärung über den Unterricht des Lehrers bat...
Die Schüler hatten damals alle "Stoppt Strauß"-Buttons (ok, nicht alle, nur die älteren aus der Kollegstufe und natürlich auch nicht die Streber aus der Jungen Union) und wurden von Lehrern angeherrscht, die in der Schule nicht zu tragen. Dafür wurden die dann umso deutlicher vor der Türe der Bildungsanstalt wieder angesteckt. Im revolutionären München gabs Verweigerer, die deshalb von der Schule verwiesen wurden. Das gab einen kleinen Aufstand und der Direktor musste seinen Stuhl räumen. So kam er zu uns, aufs Land, wo sich Teile der Schüler und Eltern durch Denuntiation des Erdkundelehrers schon bestens für die Aufnahme des Dr. Dr. K. qualifiziert hatten. Die Schulverweise waren übrigens rechtswidrig, wusste nur noch keiner, das musste dann der bayerische Verfassungsgerichtshof am Beispiel einer Regensburger Schülerin den Kultusbeamten erklären. Auch heute sind Buttons gefährlich. Vielleicht nicht in den Schulen, aber im Strassenverkehr muss man schon aufpassen. Die im Internet so beliebte Schablone mit dem Konterfei unseres Innenministers regt zwar im Netz kaum jemanden auf, aber der Münchner Verkehrspolizist neigt bei ihrem Anblick zu ungewöhnlichem Pflichteifer. Ein Student jedenfalls, der sich das Bild ausgedruckt hat und seit April damit sein Auto schmückt, wurde jetzt festgenommen wegen des Anfangsverdachts der Beleidigung. Seine Geschichte wird in "Jetzt" erzählt.
Hoffentlich wirft unsere Verkehrspolizei nie einen Blick ins WWW, wo uns dieses Gesicht aus der rechten Ecke jedes zweiten Blogs entgegenblickt. Meistens wird damit übrigens auf die Seite des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung verwiesen, der am 22.9. in Berlin die Demonstration Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn veranstaltet. Ich glaube übrigens dass da nichts weiter passieren wird. Die PR-Berater von Schäuble müssten ziemlich besoffen sein, vor Gericht zu gehen. Da müsste ja geklärt werden, ob der Vergleich Stasi/Innenministerium passt oder zumindest als satirische Überspitzung in Ordnung geht. (Mehr Schablonen gibts bei Dataloo, dem Schöpfer dieses Kunstwerks) Freitag, 17. August 2007Simplicissimus online
Eine Arbeitsgemeinschaft von Archivaren hat sich die Mühe gemacht, alle Jahrgänge von 1896 bis 1944 des Simplicissimus zu scannen und als PDF online zu stellen. Natürlich nicht nur die Texte, wär ja langweilig bei so einer bildlastigen Zeitung, sondern als Faksimile, in Farbe, samt Grafiken und Anzeigenteil. Ein Inhalts- und Autorenverzeichnis als normaler Text haben sie auch dazu getippt.
Vieles davon versteht man natürlich nicht mehr. Die Andeutungen auf das aktuelle Geschehen sind heute so unverständlich wie es in 100 Jahren Andeutungen auf Verteidigungsminister in Swimmingpools oder stammelnde Ministerpräsidenten sein werden. Das Titelbild vom 1. April 1902 zum Beispiel mit einer Armee von Sektflaschen die ein Kriegsschiff verlassen, kapiert man nur, wenn man rausbekommt, dass der Sinn der damals eingeführten Sektsteuer die Finanzierung der kaiserlichen Kriegsmarine war. Ist das eigentlich immer noch so? Süffeln wir Schaumwein für unsere Soldaten am Horn von Afrika? Wahrscheinlich nicht. Auch das wird bei kommenden Generationen nicht anders sein, wenn sie ihren Opa fragen müssen, was dieser Begriff "Solidaritätszuschlag" auf ihrer Lohnabrechnung eigentlich bedeutet. Auch der Reklameteil der Zeitung wird nach so langer Zeit wieder lesenswert. Neben wirklich schönen Autos mit 3 PS findet man allerhand Anzeigen zu Beauty und Wellness sowie einige Dinge, die man heute so nicht mehr bewerben würde... Angeblich von Lesern eingesandte Witze waren übrigens auch schon im 19. Jahrhundert so platt wie heute: Der Kultusminister besichtigt eine Kunstsammlung. Der führende Gelehrte macht ihn darauf aufmerksam: "Sehen Ew. Exzellenz die herrliche Färbung dieser Vase, diesen herrlichen Ton!" Seine Exzellenz nähert sein Ohr der Vase und klopft mit dem Zeigefinger daran: "Ah! Sehr schön!" (Bilder aus dem Simplicissimus. "Motorwagen" 4/24 Sept. 1899, "Schnurrbart" 11/6 Mai 1906, "Nasenformer" 25/5 Apr. 1920, "Excelsior" 4/15 Juli 1899, "Photographien" 4/24 Sept. 1899) Nachtrag: Das Titelbild hab ich wieder rausgenommen, der Zeichner Thomas Theodor Heine ist 80 Jahre alt geworden und starb 1948, seine Bilder bleiben noch 11 Jahre geschützt, auch wenn sie vor 105 Jahren gezeichnet wurden. Also müsst Ihr selber in den PDFs suchen, macht eh Spass, dort zu schmökern. Samstag, 4. August 2007Gaytanamo
Ich dachte ja, die "Raubkopierer sind Verbrecher"-Spots der Film- und Musikindustrie sind ja schon grenzwertig. Da wird jugendlichen Filmkopierern unterschwellig mit Vergewaltigung in der Justizvollzugsanstalt gedroht, Raubkopierer im Kuhkostüm werden von Stieren besprungen und ein zur Tarnung auf dem Fussballplatz eingegrabener Verbrecher wird geköpft.
Die Pornoindustrie kann sowas aber toppen. Die können auch ihr exterritoriales Foltergefängnis filmisch aufbereiten. Bei Dark Alley gibts jetzt "Gaytanamo" für nur $59,95 als Doppel-DVD: The most controversial porn movie of 2007 is here! Dark Alley mixes political parody, classical music and scorching sex in Gaytanamo, as an innocent German tourist is kidnapped off the street and accused of being a terrorist, then subjected to abuse and torture. The whole porn world is already talking about it! Im Gegensatz zu den Schaffern der Hart-Aber-Gerecht-Spots stehen die Pornographen allerdings zu ihrer analen Fixierung und ihren sexuellen Gewaltphantasien... (Link zum Film fehlt leider, man darf zwar abgeschlagene Köpfe über den Fussballplatz fliegen lassen, aber dort wird schrecklicheres gezeigt: Sex) Sonntag, 1. Juli 2007Raublinker
Lustig, dass selbst die Leute von Spiegel-Online, die sonst so differenzierte Artikel über die "Anarchie im Netz" schreiben auf raubkopierte ARD/ZDF-Sendungen bei Sevenload verlinken...
Ich finds ja schön, dass die Highlights des Morgenmagazins auf diese Weise auch den Berufstätigen zugänglich gemacht werden, indem Ausschnitte draus in Youtube oder Sevenload gestellt werden, aber ich glaub dürfen darf man das nicht. Oder gilt der 2:20-Min-Ausschnitt als Zitat? Andererseits bin ich z.B. auf Sevenload angewiesen. Bei der ARD seh ich manche Ausschnitte, wenn ich Glück habe, bei vielen haut das mit meinen falschen Videoplayern irgendwie nicht hin (ich hab immer die falschen...). Ausserdem ist das Archiv der "Morgenmagazin-Kinderreporter" dort ein bisschen ungepflegt: Zwei Beiträge von April 2004 und September 2005.
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