Freitag, 25. April 2008Wost hischaugst Hoamat
Mit manchen Dingen, die die volkstümliche Tradition so mitbringt, hab ich ja meine Probleme. Aber irgendwie ist dieser Biergarten mit Topfbäumchen im Münchner Flughafen schon so kitschig, dass es wieder passt. So kann auch der schnelle Besucher einen halben Liter bayerische Trinkkultur für nur 2,30 im vorbeifliegen schlucken.
Wenn man sich schon vor dem Terminal 2 rumtreibt, kann man noch einem Relikt einen Abschiedsbesuch abstatten. Der abgesägte Transrapid, schon mit weissblaugerautetem Wappen bemalt, steht da noch rum. Möglicherweise eine letzte Chance, bevor er zurück ins Emsland kommt. Vielleicht haben die Fans auch Glück und die Münchner CSU muss nur ins Vilstal fahren, um sich mal reinzusetzen und die schwebende Ruhe bei den dortigen Oldtimerfreunden geniessen zu können. (Ich habs bei "Quer" gesehn, dass die den Zug haben wollen, der Dingolfinger Anzeiger berichtet ebenfalls. Ich finde, der würde gut zu den schönen Bussen auf der Homepage der Oldtimerfreunde passen). Köln hat auch ein schönes Terminal. Ausser mit Fotografieren kann man dort die Wartezeit nicht besonders gut totschlagen aber das Knipsen hält einem dort wenigstens die unglaublich aufdringlichen Kreditkartenhaie von American Express vom Leib. [sprachlicher Hinweis: "Wost hischaugst Hoamat" = "Wo Du hinsiehst: Heimat". Nachtrag 2.5.: Der alte Transrapid kommt nicht ins Oldtimermuseum, sondern als Innovationssymbol nach Weiden zur Firma Max Bögl, einem Bauunternehmen, das am Transrapidkonsortium beteiligt war. Montag, 17. März 2008Erste Scheibe vom Saunasound
Endlich, sie ist da!
Die lange erwartete erste EP der Pyroponys ist fertig, die erste handnumerierte und mundgeblasene Auflage wurde ausgeliefert. Nach grossen Bühnenerfolgen bedienen die kleinen Pferde nun auch Konsumenten der Musikkonserve und ich gehöre zu den Privilegierten, die ein Exemplar ergattern konnten. Der Schein Schon die Verpackung macht Spass. Eine Papphülle mit der hoffnungsvollen Aufschrift "Don't worry - be happy" lässt sich leicht öffnen wie die Hülle eines Doppelwhoppers und gibt den Blick frei auf ein aufwändig fotografiertes Cover mit den drei Interpreten auf einer Startbahn. Hier erfährt man auch den Titel der Scheibe: "fire the hidden" Passend zum Namen der Band präsentiert sich die CD in pornösem Rot auf der Unterseite und einem Trommelfell auf der Vorderseite. Ein Booklet mit Hintergrundklatsch über die Band fehlt, was aber kein Nachteil ist, die Bandmitglieder nehmen sich einfach selbst zurück um Blick und Gehör ganz auf die Musik zu lenken. Mitsinger können sich die Texte auf der Homepage der Gruppe ansehen. Der Ton Dienstag, 22. Januar 2008Noch mehr alte Akten
Noch eine Fundstelle skurriler und interessanter Scans alter Schriften: Das Münchner Digitalisierungszentrum hat allerhand Papier der Staatsbibliothek eingescannt. Eher beiläufiges, wie die Jahrgänge 1891 bis 1918 des bayerischen Brauerjournals aber auch interessantes wie die Landtagsprotokolle von 1429-1669, 1919-1933 und von 1946.
Eigentlich war ich da, um nachzulesen, wie dieses bayerische Konkordat zustandegekommen ist, nach dem auch der neue Bischof von München und Freising sein Gehalt von mir bezahlt bekommt. Die Landtagsaussprache (13-15.1.25) dazu ist aber nicht sonderlich interessant. Erstaunlich fand ich nur, wie viel Zeit die damals für die Plenarsitzung hatten. Während heute eine Europäische Verfassung gerade mal einen Vormittag lang besprochen wird, hat man damals drei Tage geredet. Wilhelm Högner von der SPD musste sogar eine Nacht pausieren, weil seine Rede so lang war dass die Abgeordneten erstmal ins Bett wollten um am nächsten Morgen die Fortsetzung zu hören. Bisschen erschrocken bin ich über die ersten Nazis im Landtag. Seit 1924 sass Julius Streicher im Parlament, zunächst als Fraktionsloser, zu mehr hats bei der NSDAP damals nicht gereicht. So offen antisemitische Reden hätte ich in einem Parlament der Weimarer Zeit eigentlich erwartet. So offene Verharmlosung des Nationalsozialismus allerdings nicht. Zumindest die Linke hat Streicher anscheinend für einen Spinner gehalten, eigentlich komisch, knapp ein Jahr nach dem Marsch auf die Feldherrnhalle. Zum Beispiel am 20.11.1924 (Seite 708, ich vermute es geht um das Bild zum Wiesbadener Abkommen) Streicher (bei keiner Fraktion): Es war seinerzeit in Wiesbaden; die Blätter brauchten Bilder von dem Vertreter Frankreichs; ich weiß augenblicklich nicht, wie er hieß Dass Streicher so hetzt (da gibts deutlichere Beispiele als das da oben) wundert mich nicht, aber dass die Linke dem Spinner noch unter Belustigung die Stichworte liefert,fand ich schon bemerkernswert. Donnerstag, 17. Januar 2008"Jeder Brocken vorgezählt und überall im Weg"
Im September schrieb ich noch über den Austrag des bayerischen Ex-Ministerpräsidenten. Damals hab ich vermutet, sie würden ihm in Brüssel, weit weg von Landtag und CSU-Präsidium ein Häuschen hinstellen und ihn dort mit alten Akten füttern.
Stattdessen bekommt er ein kleines 13-Zimmer-Büro mit 5 Angestellten und ein paar Bodyguards in der Wagmüllerstrasse 18. Gleich neben dem Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz, auch einem hochangesehenen Würdenträger, den man lieber ein wenig abseits ansiedelt. Natürlich gibts auch schon wieder Streit über die Kosten dieses "Austragshäusl" des gestürzten Landeschefs. Keiner aus der Opposition gönnt ihm die jährlich 450 tausend Euro, die er für seine Arbeit als Aktenvernichter eben braucht. Ganz wie es sich für pensionierte Altbauern gehört. Streit mit den Erben gehört eben auch zum Austrag. Und weil so viele Google-Treffer mit "Austragshäusl" hier aufschlagen sei das kurz erklärt:
"Austrag" beschreibt den Ruhestand eines Bauern. Laut Wikipedia ist das ein bayerischer Begriff, ich kann das nicht beurteilen, das Synonym "Ausgedinge" kenn ich nur vage und "Altenteil" hätte ich nicht nur dem landwirtschaftlichen Umfeld zugeordnet. Der Begriff ist eher negativ besetzt: Das Vermögen eines Bauern steckt im Hof, Schätze zur späteren Altersversorgung kann er in der Regel nicht anhäufen. Wenn also der Bauer in Ruhestand geht und in ein kleineres Häusl neben dem Anwesen zieht, verliert er die Kontrolle über sein gesamtes Vermögen und ist auf Rentenzahlung seines Sohnes angewiesen. Damit dabei nichts schief geht, wird vor der Übergabe verhandelt und geklärt, wie viel Geld und Naturalien dem Altbauern in Zukunft zustehen. Trotz genauer Abmachungen bleibt er aber vom wirtschaftlichen Geschick und der Güte seines Sohnes und der Schwiegertochter abhängig. Der könnte ihm zum Beispiel ausgesucht schlechte Nahrungsmittel als tägliches Deputat vor die Türe stellen. Schöner als ich das beschreiben kann, macht das Ludwig Thoma, der neben lustigen Lausbubengeschichten auch eher traurigere Stücke verfasst hat. In "Der Wittiber" beschreibt er 1911 die Sorgen eines Bauern vor dem Austrag: Vierundfünfzig Jahre. Nachtrag 2.2.: Stoiber ist anscheinend auch unangenehm, wie viel Appanage ihm seine Nachfolger zur Verfügung stellen. Er verspricht, nicht den ganzen Betrag auszuschöpfen und hält z.B. 40000 für Bürowartungskosten auch für unangemessen....
Donnerstag, 27. Dezember 2007Bachkunde
Aktuelles Zeug im Internet zu finden ist ja keine Kunst. Schwierig wirds, wenn jemand historische Sachen einscannen oder abtippen müsste, um sie online zu stellen. Selbst wenn man die Urheberrechts-Anstandsfrist von 70-140 Jahre überspringen würde, gibts einfach zu wenige freundliche Menschen, die altehrwürdige Schriften ins Netz bringen.
Umso schöner ist es, die Scans der David Rumsey Map Collection zu finden. Falls man mal schnell eine alte Karte von München braucht, findet man dort eine von 1832. Sogar unter Creative Commons-Lizenz für nicht-kommerzielle Nutzung. Bisschen unklar bleiben allerdings die Verbindungsstücke, irgendwo unter dem Markt treffen sich ein paar Bäche und wer in welchen fliesst und welcher wie heisst, geht aus der Karte nicht hervor. Auch die zweite Quelle, der Wikipedia-Eintrag zum Viktualienmarkt ist an der Stelle irgendwie verwirrend... Praktisch war sicher auch der Katzenbach. Der treibt erst die Hofbräumühle an und kümmert sich anschliessend um die Ver- und Entsorgung bei den königlichen Rössern hinter der Reitschule. Wobei ich mir da auch nicht so sicher bin, ob der Bach noch der gleiche ist: Am Kosttor gibts einen Zusammenfluss und in der Wikipedia steht zumindest am Viktualienmarkt bei anderen Bächen eine "Bachkreuzung" beschrieben. Gut möglich, dass auch dort irgendwelche Brücken oder Rohrkonstruktionen rumlagen, um die Bäche zu kreuzen. Vielleicht schau ich mir mal das Buch "Christine Rädlinger: Geschichte der Münchner Stadtbäche" an. 38,50 Euro ist zwar ne Menge Geld, aber das könnte interessant sein und es sind ja auch Bilder drin. Ausserdem kann ich mir das "Münchner Sittenbuch - Liebe, Laster und Affairen" aus dem gleichen Verlag mitbestellen, ohne dass es mir peinlich sein müsste. Da sind auch 120 farbige Bilder drin! ;) Weitere wichtige Erkenntnis bei der Kartenlektüre: Die Bewohner in der Gegend um die Hans-Sachs-Strasse können ruhig ihre Wäsche raushängen. Sie wohnen auf der Städtischen Bleiche. Bildnachweis: David Rumsey Collection unter dieser Creative Commons-Lizenz
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