Tuesday, 2. March 2010Verfassungswidrig und nichtigMeine Lieblingsstellen aus dem Urteil des Verfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung: Zwar ist eine Speicherungspflicht in dem vorgesehenen Umfang nicht von vornherein schlechthin verfassungswidrig. Es fehlt aber an einer dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz entsprechenden Ausgestaltung. Die angegriffenen Vorschriften gewährleisten weder eine hinreichende Datensicherheit, noch eine hinreichende Begrenzung der Verwendungszwecke der Daten. Auch genügen sie nicht in jeder Hinsicht den verfassungsrechtlichen Transparenz und Rechtsschutzanforderungen. Die Regelung ist damit insgesamt verfassungswidrig und nichtig.und Demzufolge können die Vorschriften auch nicht in eingeschränktem Umfang übergangsweise weiter angewendet werden, sondern verbleibt es bei der gesetzlichen Regelfolge der Nichtigerklärung. Ich hab jetzt leider keine Stelle gefunden, wo für die Verfassungsbrecher Bussgeld oder Haft gefordert wird. Oder Heute Abend wirds sicher wieder jede Menge Leute geben, die sich routiniert darüber freuen, dass dieses wegweisende Urteil endlich Rechtssicherheit schafft, wie weit man als Gesetzgeber die Verfassung belasten darf. Unser Innenminister fängt schonmal damit an. Die Reaktion ist verständlich. Man hat es leichter im Leben wenn man in jedem Strafzettel nur einen wichtigen Hinweis sieht, dass man grundsätzlich schon richtig parkt, lediglich bei der Interpretation dieser blau-roten durchge-x-ten Schilder am Strassenrand von der StVO leicht abweicht. Monday, 1. March 2010Hilfsprofiler
Falls ich ein googlemail-Konto besitze oder einen youtube-Account oder eine andere Dienstleistung dieser Firma in Anspruch nehme, kann dort mein Interesse für Innere Sicherheit auch gleich meinem Persönlichkeitsprofil hinzugefügt werden. Google verspricht natürlich, das nicht zu tun, aber ich wüsste nicht, warum unsere Behörden oder ich uns darauf verlassen sollten. Ich weiss nicht, welcher Webdesigner den Ministerialen eingeredet hat, dass google analytics für Behördenseiten was tolles ist, aber ich halts für unnötig. Logfiles haben die ja selber auch, Werbung machen sie nicht und mehr als eine Meldung der Art "Über Hundertausende Besucher haben unser Gesetzblatt runtergeladen" will ja auch keiner von den Betreibern sehen. Vermutlich wars der gleiche, der ihnen eingeredet hat, für das Hypen einer Verbraucherschutz-Homepage bräuchte man so um die 200000 Euro. Ich würde den Berater jedenfalls wechseln, ausser es wäre ein Parteifreund oder ich wäre ihm anderweitig verpflichtet... Monday, 22. February 2010Sprichwörtliches
27. Einen Knaben à la Jesuite behandeln. Ich glaube, der Bischof Mixa hat Unrecht. Der Einfluss der sexuellen Revolution auf das klerikale Leben der letzten 140 Jahre wird von ihm deutlich überschätzt. (Zitat aus der Volltextbibliothek bei www.zeno.org; Bild: Gipfelkreuz auf dem Sonnenberg) Sunday, 21. February 2010Atlas Major digitalIn einem Eintrag des Landkarten-Blogs bin ich auf einen Scan von Willem Bleaus Atlas Major von 1645 gestossen. Wer mal einen wirklich tollen Scan alter Karten sehen will, sollte unbedingt das Regionaal Archief Leiden besuchen. Die haben die Seiten nicht nur schön fotografiert, sondern auch mit Ortsnamen und modernen Staatenbezeichnungen verlinkt. Man kann also auch nach Afghanistan suchen oder nach Haiti, wenn man mal eine echte Seekarte der Piraten der Karibik braucht. Allein Deutschland ist auf ca. 50 Kartenblätter aufgeteilt, die Details sind wirklich verblüffend für ein 350 Jahre altes Werk, das vermutlich eher wenige Käufer hier in der Gegend hatte.
Ausserhalb wirds aber wieder einfacher. Fast alle eingezeichneten Dörfer sind noch da und bis auf ein paar Buchstaben blieben auch die Ortsnamen gleich. Auch wenn man heute den beiden Ortsteilen von Hochmueting oder Orten wie Meschenfeld und Zinnenberg keine so prominente Darstellung in der Karte einräumen würde wie im 17. Jahrhundert und Fuesberg nur noch übers Burgeninventar findet. (Das Bild stammt nicht aus Leiden, sondern von der UCLA. Die haben den ersten Band des Atlas mit Deutschland und Nordeuropa eingescannt. Nicht so hoch aufgelöst wie die Holländer, ohne viewer zum zoomen und verschieben und mit weniger gutem Ortsverzeichnis, aber dafür darf man deren Bilder unter cc-by-nc-sa-Lizenz verwenden. Bei den Leidenern reichen meine Sprachkenntnisse nicht, um das herauszufinden...) Tuesday, 16. February 2010Wie funktioniert die Ortung mit IP-Adressen?Die Geocounter-Seite wird immer wieder mal von Leuten verlinkt, die eine IP-Adresse orten wollen. Gelegentlich passiert das in Diskussionsforen und ich kann gespannt mitverfolgen, wie diese Seite ankommt. Die Reaktionen darauf sind recht unterschiedlich: von "Hilfe ich werde überwacht" bis zu "So ein Scheiss, der Ortet mich ja nichtmal auf 10km genau" oder "Da wird eh nur der Provider geortet". Bisschen Angst machen mir die Einträge der Art "Jetzt weisst Du, wo das Haus von diesem Halunken wohnt", diese Einträge waren der Grund für den langen Beipackzettel auf der Ortungsseite, aber das ist halt Text und Text liest keiner, wenns auch Bilder gibt. Auf jeden Fall scheint diese Ortung mysteriös zu sein, und ich dachte, ich schreib mal, wie sowas funktioniert. Die Beispiele sind alle aus der Datenbank von maxmind. Die haben eine kostenpflichtige, für richtige Kunden, die mit der Anwendung Geld verdienen und eine kostenlose, für Hobbyanwender wie mich. Die kostenlose ist brauchbar, aber absichtlich schlechter als die Kaufversion. Ausserdem sind die Beispiele alle aus meiner Gegend, weil da kenne ich mich aus. Wie sieht so eine Datenbank aus?Das ist einfach eine Liste von IP-Adressbereichen, Koordinaten, Ortsnamen und evtl. noch ein bisschen Zusatz wie Land, (Postleitzahl), Verwaltungseinheit, also z.B. so: 10.12.37.0 bis 10.12.37.7, Deutschland, Bayern, 85652, Pliening, 48.2 Nord, 11.8 Ost Wie genau ist die Koordinate?
Wie man oben sieht, gibt es keine weitere Unterscheidung unterhalb des Ortes, die Strasse wird nicht erwähnt. Das ist auch bei grossen Gemeinden so, "48.15 Nord, 11.5833 Ost" z.B. steht für alle IP-Adressen in München. Falls eine Anwendung das in eine Landkarte umsetzt, wird sie zwar eine Nadel mit höchster Präzision in der Veterinärstrasse einschlagen, und tolle Genauigkeit suggerieren, sie meint damit aber eigentlich das gesamte Stadtgebiet. Man kann also niemals erfahren, wo jemandem sein Haus wohnt, und es hat überhaupt keinen Sinn, einen so georteten Betrüger die Fenster einzuwerfen, man trifft den falschen. Die Daten für die Zuordnung von Ortsnamen zu Koordinaten scheinen bei den meissten Anbietern vom Gazetteer der NGA zu stammen, einer freien, sehr vollständigen, aber oft etwas ungenauen und schlecht gepflegten Datenbank. Wo kommen die Daten her?Das ist das grosse Geheimnis der Datenbankmacher... Ich denke in erster Linie aus whois-Einträgen. Der whois-Eintrag zu einer IP-Adresse wird bei der Vergabe einer IP-Adresse vom übergeordneten Provider festgelegt. Letztendlich entsteht so eine Datenbank, die für jede IP-Adresse festlegt, wer für sie zuständig ist. Häufig steht da der Provider selbst drin, besonders bei Einwahlprovidern, häufig wird der Eintrag aber selbst für kleine IP-Adressbereiche von 1 oder 8 IP-Adressen gepflegt. Das ist als Quelle relativ gut, kleine IP-Adressbereiche sind kleine Firmen mit nur einem Standort. Bei grösseren Netzbereichen, z.B. dem Netz der Telekom wirds schwierig (und auch spürbar ungenauer), da wird wohl auch viel geraten. Vielleicht haben die Hersteller Referenzkunden, die ihnen sagen, welche IP-Adresse sie gerade zugewiesen bekommen haben und wo sie wohnen. Vielleicht verlassen sie sich auch aufs Routing. Zur Zeit wird z.B. die IP-Adresse 79.230.121.x von der Telekom über einen Router namens "M.NET" geleitet, die IP-Adresse 79.230.231.x dagegen über "SI.NET". Der erste steht in München, der zweite in Siegen. Entsprechend sind auch die Daten von Maxmind. Genauer gehts leider nicht. Dafür spricht auch meine Beobachtung, dass ich zwar immer im Umkreis von 20km, aber fast nie in der richtigen Gemeinde geortet werde, derzeit sitze ich fast immer in Pliening. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass mein Provider so genaue Unterschiede macht. ich denke, der weist einfach die nächste freie IP-Adresse aus der Gegend dem nächsten Kunden zu, wobei "Gegend" für ihn sicher etwas grösseres als eine Gemeinde ist.
Was kann mit dieser Ortung anfangen?
Was kann man nicht?
Falls man eine bessere Ortung wünscht, darf man sich nicht auf die IP-Adresse verlassen. Dazu gibts GPS, WLAN-Ortung oder die Netzinformationen der Mobilfunkbetreiber. (Bild: Karte von Openstreetmap unter cc-by-sa-Lizenz)
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