Monday, 2. February 2009Kurz angebundenManche Nachrichten verstehe ich einfach nicht, aber vielleicht liegt das daran, dass ich ab und zu nachrechne. Den Spiegel-Bericht über die Abwrackprämie und das Callcenter im dafür zuständigen Amt zum Beispiel:
Das übersetzt mein Taschenrechner bei einer 8-Stunden-Schicht mit:
Landkarte der zensierten ServerBei Scusi gibts schöne Karten mit Serverstandorten der in Europa zensierten Webseiten. Im Gegensatz zu mir bei meinen Versuchen für die dänische und finnische Liste hat der sich allerdings richtig Mühe gegeben und z.B. geparkte Domains rausgenommen. Ausserdem hat er auch noch ein paar weitere Länderlisten gefunden und zusammengefasst. Das Ergebnis ist allerdings meinem recht ähnlich (aber schöner dargestellt): Fast sämtliche Seiten, die in Europa verboten sind werden auch in Europa und befreundeten Staaten mit ähnlichem Rechtssystem gehostet. Warum unsere Innen- und Familienpolitiker statt auf Abschalten der Server lieber auf Zensur der Besucher setzen, können wir nur mutmassen... Sunday, 1. February 2009Magische KräfteIch hab mal nachgeschaut, was dieser neue Linzer Weihbischof eigentlich gegen Harry Potter hat. Das Argument finde ich lustig:
Und das nicht mal 2 Jahre, nachdem die Tridentinische Messe wieder erlaubt wurde und wo sich die Kirche so lange schwer getan hat mit Fluch- und Segenssprüchen in der Sprache ihrer Gläubigen. Wer in München Lust hat, an einer Messe in einer Sprache teilzunehmen die er nicht versteht, die im Unterbewusstsein weiterwirkt und magische Kräfte mobilisiert, hat die Gelegenheit:
Wednesday, 28. January 2009Die Kraft des WortesIch muss mir dringend ein paar Scans des Stürmer und des Völkischen Beobachters auf dem Schwarzmarkt besorgen. Bei dem Aufheben, das unsere besorgten Landesväter um diese Zeitungen machen, muss von den Worten geradezu magische Wirkung ausgehen, ein echter Mythus des 20. Jahrhunderts. Die paar Exemplare, die ich hoffentlich legal im Deutschen Historischen Museum finde, reichen leider nicht aus, um mich zu faszinieren.
Vielleicht bin ich aber auch deshalb kein rechter Idiot geworden, weil mir niemand gesagt hat, dass ich das nicht lesen darf. Ich glaube, das Interesse für verbotene Literatur hätte mich erst so richtig motiviert, tiefer in die Vorstellungswelt nationaler Dichter und Denker einzusteigen und vielleicht hätte es mir ja gefallen. Aber mir hat ja keiner gesagt, dass der korrekte Zugang zur deutschen Geschichte irgendwo zwischen der History-Show "Hitlers Köche - als Vegetarier in der Wolfsschanze" und der DVD "Deutsche Panzer" (Metallbox-Edition) liegt. Ausländer tun sich da natürlich leichter, das Time Magazin dieser Zeit gibts zum Beispiel online zu lesen. Nichts für Neonazis, weil die Leute da waren eher links und ausserdem siehts einfach komisch aus, im englischen Text immer "Herr Hitler" und "Old Paul" [von Hindenburg] zu lesen. Aber die panzerbegeisterten Nachfahren unserer Krieger kommen auch dort auf ihre Kosten: The battlefront disappeared, and with it the illusion that there had ever been a battlefront. For this was no war of occupation, but a war of quick penetration and obliteration—Blitzkrieg, lightning war. Even with no opposition, armies had never moved so fast before. Theorists had always said that only infantry could take and hold positions. But these armies had not waited for the infantry. Swift columns of tanks and armored trucks had plunged through Poland while bombs raining from the sky heralded their coming. Wäre schön, wenn sich Hitlers
Sunday, 25. January 2009Reisewarnung
"Vor Reisen in die Gebiete nördlich des 15,5. Breitengrades (malisch-mauretanische Grenze bis nach Youvaru und ab dort nördlich des Niger-Flusses bis zur Grenze von Algerien und Niger), mit Ausnahme der Städte Timbuktu und Gao (per Flugzeug bzw aus südlicher Richtung erreichbar), wird ausdrücklich gewarnt. Von Reisen in das Gebiet Nara-Nampala-Léré nahe der mauretanischen Grenze wird abgeraten." Das östereichische Aussenministerium macht die Warnung für das Gebiet noch 45km weiter nördlich als die Deutschen etwa am 15,9. Breitengrad fest ("nördlich von Leré - Youvaru - Timbuktu - Bourem - Gao - Menaka"), hält allerdings auch die Überlandreise nach Timbuktu und Gao aus Süden für gefährlich. Die Schweiz dagegen bezieht auch die Gegend östlich des Niger ein und rät ebenfalls bei Gao und Timbuktu zum Flugzeug. Falls jemand ein Fest in Andéramboukane besucht hat und auf dem Heimweg an der nigrischen Grenze entführt wird, finde ich, dass er relativ weit von dem gestrichelten Gebiet weg ist. Auch für das angrenzende Gebiet von Niger finde ich keine passende Warnung des Auswärtigen Amtes (lediglich für die nördlichen Teile: "In der unübersichtlichen Region der nigrischen Sahara (Grenzgebiet Mali-Niger-Algerien...) kann für Bürger westlicher Staaten das Risiko von Entführungen und Erpressungen nicht ausgeschlossen werden") Aber egal, sobald irgendein Tourist in der Sahara entführt oder ausgeraubt wird, behauptet man einfach dass der das hätte wissen können: "Das AA warnt auf seiner Web-Seite explizit vor solchen Wüstentouren in das Gebiet, da die Gefahr von Entführungen besteht." Gerne beruft man sich auch auf Warnungen für die Gegend nördlich von Timbuktu (liegt ja auch gleich ums Eck). Spiegel Online allerdings hält Timbuktu selbst für sicher und macht noch fleissig Tourismuswerbung dafür. Ich glaube, das ist ein Reflex bei den Berichterstattern. Sahara ist gefährlich und das Auswärtige Amt hat eh schon immer gewarnt. Und wenn mal der Spiegel die Warnung erwähnt oder irgendwer das exotische Timbuktu nennt, zitieren alle fröhlich drauf los und verschwenden keine Zeit mit Lektüre oder Kartenstudium. Ausserdem kann man sich bei diesen Nachrichten hoher Leserbeteiligung in den Kommentaren sicher sein. Bei der Welt kocht der Volkszorn über Touris in Hochrisikogebieten und man will auf keinen Fall, dass unser Staat Geld für solche Leute ausgibt. Die Reaktion muss damit zusammenhängen, dass man Individualisten irgendwie misstraut. Bei Reisenden in andere instabile Regionen hat sich ja gezeigt, dass man generell schon hilfsbereit ist, aber in Thailand, Kenia oder Leid tut mir ja auch der Reiseveranstalter. Ich glaube, der schaffts nicht mehr, das richtigzustellen... (Karte aus dem CIA World Factbook, Geodaten exotischer Dörfer gibts von der NGA) Nachtrag 22.4.: Anscheinend ist zumindest eine der Geiseln nach 3 Monaten wieder freigelassen worden...
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