Wednesday, 22. July 2009Suchmaschine als Konkurrent zur ZeitungIm Spiegel steht, dass sich die Verleger Sorgen machen, weil ihnen Google alle Werbekunden wegschnappt und so die wertvolle journalistische Arbeit ihrer online-Ausgaben für sich missbraucht. Ausserdem sei Google eh böse, wegen Datensammeln, Strassen fotografieren und so. Mal abgesehn davon, dass es recht einfach ist, seinen wertvollen Inhalt nicht an Google auszuliefern wenn man das nicht will, gibt es natürlich noch andere Suchmaschinen und zumindest für die Münchner Innenstadt auch schon gut gemachten Ersatz für Streetview. Ausserdem würde ich zum Beispiel keine Nachrichten bei Google suchen, ich mach das so richtig altmodisch mit ein paar Zeitungen in den Lesezeichen. Mein eigentliches Problem ist, dass es mit diesen tollen Inhalten nicht so weit her ist. Ich les zum Beispiel ganz gerne die lokalen Nachrichten des Münchner Merkur und wundere mich jedes Mal, wie viel ich davon schon kenne, weil ich am Tag zuvor auch den Polizeibericht gelesen hab. Der Rest sind einfache Wiederholungen von dpa oder ap. Nichtmal die Kompetenz in regionalen Dingen wird zur Verbesserung des Artikels herangezogen. Wenn dpa über ein Unglück an der Zugspitze schreibt "stieg der 45- Nichtmal im vermutlich letzten Kriegsverbrecherprozess sitzt einer vom Online-Teil der Zeitung. Der findet in München statt und gäbe schon ein paar Artikel her, gerade als Gegenstück zum medial viel präsenteren letzten Prozess gegen einen KZ-Aufseher. Angeklagt ist ein 90-jähriger ehemaliger Leutnant und Kompaniechef von den Gebirgsjägern, dessen Einheit (oder eine andere), unter seiner Leitung (oder ohne sein Wissen) in Italien Zivilisten getötet hat, um einen Partisanenangriff auf ihre Kameraden zu rächen. Die Sache ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Die Gebirgstruppen konnten sich ja in der Bundesrepublik noch besser als der Rest der Wehrmacht als sauber darstellen, indem sie fleissig das Bild der tapfer und ritterlich kämpfenden Bergkameraden pflegten. Und der Umgang mit einem alten Krieger, der trotz seiner Verurteilung in Italien 2006 noch den vollen Rückhalt seiner Gemeinde geniest (was man ja jedem Angeklagten wünscht) wäre auch ein paar selbstrecherchierte Zeilen wert. Man muss aber keinen seiner Leute zum Landgericht schicken. Es reicht ja, wenn dpa jemanden dort sitzen hat.
Sunday, 21. June 2009Italiens ZensurlisteBei Fefe steht, dass Wikileaks die italienische Zensurliste veröffentlicht hat. Oder zumindest einen Teil davon. Wikileaks behauptet, die meisten dieser Seiten enthielten keine Kinderpornographie in unserem Sinn (also Kinder unter 14), sondern in erster Linie nackte junge Erwachsene oder Jugendliche (also Menschen unter 18), selbst überprüfen kann ich das ja nicht. Von den 287 Domains, die dort gesperrt sind, lassen sich 263 auflösen und führen zu 205 verschiedenen IP-Adressen. Diese Server stehen sämtlich in Staaten mit einer Rechtsordnung, die sicher auch Kinderpornos verbietet. Lediglich Belize klingt ein bisschen exotisch, aber ich vermute, die haben als Mitglied des Commonwealth ein dem britischen sehr ähnliches Rechtssystem. Die "Hälfte aller Staaten",
in denen laut unserem Familienministerium die Verfolgung ins Leere
läuft, scheint jedenfalls nicht unter den Ländern zu sein, in denen die
Server stehen. Angeführt wird die Liste von den USA:
Es ist wirklich fast egal, welche der vielen Listen mit zensierten Servern man auswertet, das Ergebnis ist immer das gleiche: Man hätte Zugriff auf die Hoster, man könnte dort löschen, aber stattdessen stellt man lieber plakativ ein Stoppschild davor und tut damit was für die Kinder. Ist natürlich auch wesentlich leichter, als sich mit den Behörden oder Providern in den USA zu streiten, ob ein unbekleideter junger Mensch (a) Pornographie und (b) ein Kind ist. Bei dem was unsere Zensurbefürworter immer als Beispiel für die Begründung ihrer Sperrwünsche anführen, sollte das allerdings kein Problem sein. Die Darstellung der Vergewaltigung eines Kindes sollte auch in den Vereinigten Staaten oder in den Niederlanden unstrittig verboten sein. Von den fünf deutschen Hosts sind drei Domains inzwischen bei Sedo geparkt, wurden also aufgegeben, die anderen beiden sind ebenfalls abgeschaltet, zumindest läuft dort kein Webserver mehr. (Karten selbstgebastelt mit Kartendaten von thematicmapping.org unter cc-by-sa-Lizenz, die Farbskala ist nicht identisch auf den beiden Karten; Standortbestimmung der Hosts mit der GeoLite-City-Datenbank von maxmind) Nachtrag: Ich hab noch eine Seite gefunden, wo jemand die gleiche Auswertung gemacht hat. Der hat nicht die IP-Adressen geprüft, sondern die Domains, was bei mir dann so aussähe. Das Ergebnis ist bis auf ein paar Domains gleich. Saturday, 20. June 2009Tor nach PersienSeit im Iran die Leute so einen grossen Mitteilungsbedarf im Internet haben, ist die Anzahl der Tor-Nodes in den USA recht sprunghaft angestiegen. Anscheinend wirken dort die Aufrufe, etwas gegen die Zensur durch die iranischen Machthaber zu tun: In den anderen Ländern ist diese Unterstützungsbewegung nicht stark zu beobachten. Interessant ist auch der Anstieg der Clients im Iran. Ich hab mal versucht rauszubekommen, wie diese oppositionellen Iraner eigentlich jetzt ins Internet ausserhalb ihres Landes kommen. Und wäre ich einer von ihnen, ich glaube, ich wäre nur verwirrt: Anscheinend gibts ausserhalb des Landes Leute, die möglichst viele Proxies aufsetzen, die die Revolutionswächter noch nicht kennen. Die wissen aber nicht, wie sie die Informationen vertraulich ins Land bekommen. Da gibts zwar auch wieder Kontaktadressen, die haben aber wieder das Problem, dass sie die Zuverlässigkeit der Proxybetreiber nicht einschätzen können und ob diese Kontakte zuverlässig sind, weiss auch keiner. Es schwirren jede Menge mehr oder weniger guter Gebrauchsanweisungen rum und vermutlich ist die Informationsmöglichkeit noch wesentlich schlechter, wenn man lediglich Farsi spricht...
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