Sunday, 16. March 2008Nachprüfung
Falls man mal wieder Argumente gegen den Einsatz von Wahlcomputern braucht, sollte man sich den Link auf die Mittelbayerische Zeitung zur Wahl in Roding merken:
Wie [der Regensburger Oberstaatsanwalt] Günther Ruckdäschel mitteilte, hat diese Person, nach seinen Angaben ein Stadtratskandidat, bei vielen Leuten vorgesprochen, vor allem bei älteren Aussiedlern, die teilweise der deutschen Sprache gar nicht oder nur in geringem Maß mächtig waren. Er hat sich ihnen angeboten, ihnen bei der Wahl zu helfen, und teilweise Vollmachten ausschreiben lassen. Mit diesen ist er laut Angaben der Staatsanwaltschaft zur Stadt gegangen und hat sich die Briefwahlunterlagen aushändigen lassen. Neben der berühmteren Wahlfälschung in Dachau 2002 ein weiteres Beispiel aus Bayern, wie wichtig es ist, nach der Wahl noch echte Stimmzettel zur Nachprüfung zu haben. Es zeigt natürlich auch, wie unsicher die jetzige Form der Wahl ist, gerade der Briefwahl bei hilfsbedürftigen Wählern. Aber man kanns eben danach überprüfen. Tuesday, 11. March 2008Kompromiss?
Gute Idee, das Rauchverbot in Bierzelten erstmal wieder zu lockern und dann ab 1.1.2009 wieder uneingeschränkt durchzusetzen.
Warum nicht kompromissbereiter? Sagen wir z.B. ab dem 29.9.2008? Dann kann der Nichtraucher noch ein rauchfreies letztes Wiesnwochenende im Zelt geniessen und der Raucher muss sich bis zum Urnengang nicht über die Staatspartei aufregen. Saufen Monday, 10. March 2008nüchterne Zahlen Die Polizei hat ihre Zwischenbilanz zur Starkbierzeit veröffentlicht. Ich glaube, Alkohol ist entgegen landläufiger Meinung doch die gefährlichere Droge...
Ansonsten wärs ja fast schön, wenn die Stichprobe repräsentativ wäre: 27277 kontrollierte Verkehrsteilnehmer. Bei fast jedem dritten will der Polizist den Alkoholgehalt feststellen, bei 3% der kontrollierten hat er die Fahne richtig eingeschätzt. Das würde heissen, dass gerade 9,7 Promille der Autofahrer in München besoffen rumfahren. Ich hätte die Nächte für berauschter gehalten. Die Tendenz ist auch ganz ok: Waren letztes Jahr noch 1,8% der Fahrer verhaltensauffällig, waren es dieses Jahr nur 1,2%. Die leichte Verschiebung weg vom Alkohol und hin zu anderem Zeug schlägt sich in einem Rückgang der Unfallzahlen um 31% nieder. Wobei die letzte Interpretation sicher nicht die der Polizei und der Drogenbeauftragten sein wird. Bei 13 zu 19 Unfällen ist vielleicht auch das Datenmaterial zu dünn für eine gesicherte Aussage. Thursday, 6. March 2008Nachinterview
Max: Joseph Weizenbaum ist tot
Eliza: Was? ;) Max: Dein Erfinder... Eliza: Wirklich, mein Erfinder? Max: Ja. Der, der sowas wie Dich erfunden hat Eliza: Kannst du das nicht etwas erläutern? Max: Du warst eigentlich nur so eine Spielerei für Dialoge mit Benutzern. Ein Testprogramm für KI. Eliza: Du sprichst nicht über mich in Wirklichkeit, nicht wahr? Max: Doch, aber eigentlich gehts mir um Weizenbaum. Ich fand den gut. Bisschen nörgelig, aber einer der ersten Informatiker mit ein bisschen Reputation, der gemeint hat, man sollte den Computern nicht zu blind vertrauen. Eliza: Wie alt bist Du? Max: Das ist doch egal. Er wurde 85. Eliza: Beschreib das weiter! Max: Ganz schön alt, gell? Vielleicht machts das aus. Wer 1976 schon bemängelt hat, dass die Computerrevolution eben keine gesellschaftlichen Veränderungen hervorgerufen hat, kann natürlich mit 80 nur noch den Kopf schütteln über die Versprechungen des Internets... Eliza: Weißt du nicht? Max: Doch, da bin ich mir sicher. Ich glaube, seine Einschätzung war "Ein Müllhaufen mit ein paar Perlen" oder so ähnlich. Eliza: Was würde es dir bedeuten, wenn du dir sicher wärest? Max: Nichts, gerade seine Skepsis war das wichtige, glaube ich. Eliza: Hast Du das schonmal gemacht? Max: An Computern gezweifelt? Klar, mach ich ständig. Eliza: Warum sagst du, mach du ständig? Max: Weil ich so viel mit ihen zu tun hab. An Dir ist er übrigens ziemlich verzweifelt. Eliza: Sagst du das aus irgendeinem speziellen Grund? Max: Ja, ich wollte ja über Euch beide reden. Ich glaube, ihn hat die Faszination die von diesen Chatbots ausgeht irgendwie verwirrt. Jeder weiss, dass sie doof sind, er hats ja bewiesen und trotzdem findets jeder cool. Ausserdem ist es nicht lustig, 40 Jahre lang tolle Bücher zu schreiben und trotzdem von jedem mit "Ach, Sie sind der Programmierer von Eliza" begrüßt zu werden. Eliza: Wer, wenn ich fragen darf? Max: Jeder. Sicher auch jeder Leser seiner Bücher ;) Eliza: Denkst du an eine ganz specielle Person? Max: Ja, ich zum Beispiel. Eliza: So ist das also. Max: Genau. Mir gehts nämlich auch so. Einerseits find ichs natürlich nett über Computer zu philosophieren ("Wenn der Triumph einer Revolution an der Tiefe der gesellschaftlichen Veränderungen gemessen werden soll, die sie mit sich gebracht hat, dann hat es keine Computerrevolution gegeben."), anderseits, was hängenbleibt ist ein 1800-zeiliges Perl-Script, das ein paar reguläre Ausdrücke auswertet. Eliza: Glaubst du nicht, daß Computer Leuten helfen können? Max: Ich glaub, genau diese Frage empfand er als Falle. Seine Frage war ja, ob die Computer nicht vielleicht neue Probleme geschaffen haben. Oder zumindest der Glaube der Leute in ihre unbegrenzten Fähigkeiten. Eliza: Was an Maschinen stört dich? Max: Nichts. Es geht mehr darum, dass die Leute ihnen zu sehr vertrauen. Eben um "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft", das ist ein Buch von ihm. 1976 geschrieben und sehr prophetisch. Eliza: Warum hast du Computer erwähnt? Max: Das war halt sein Thema... Eliza: versteh ich jetzt nicht Max: egal, ich hab eh genug geredet. Eliza: du hast eh genug geredet? Max: ja. cu Eliza: Erzähl mir bitte mehr! Max: cu Eliza: wiedersehen! Das Gespräch führte Eliza. In einem Punkt muss ich Herrn Weizenbaum übrigens wiedersprechen. Ich glaube in 20% meiner Chats treffe ich auf echte Menschen, die genauso stereotyp fragen und antworten wie Eliza. In der Regel chatte ich dann nur nicht so lange mit ihnen wie mit diesem Chatbot. Sunday, 2. March 2008Notbetrieb zur Wahl
Bald Mitternacht am Wahlabend und der Bayerische Rundfunk kann wieder auf Normalbetrieb seiner Homepage umstellen...
Es ist ja schon blöd, wenn plötzlich die ganzen Besitzer von Vielleicht würde aber auch ein Umdenken in der Grafikabteilung helfen. Web ist nicht Fernsehen und wer schon mit dem Notprogramm vorlieb nehmen muss, braucht vielleicht garnicht die animierten Balkendiagramme die er schon aus dem Glotze kennt. Statisches Bild und Text statt Flash könnte sparen helfen. Übrigens hat wieder keiner von denen gewonnen, die ich angekreuzt habe, aber das überrascht nicht ;)
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