Montag, 5. Februar 2007Bundestrojaner müssen draussen bleiben
Nach dem erfreulichen Urteil des BGH, dass die Polizei nicht das Recht hat, meinen Computer online zu durchsuchen hat unser Innenminister natürlich schnell reagiert und will sich halt das Gesetz so weit umschreiben lassen, dass es passt.
Zeit mal wieder meinen Lieblingslink zu diesem Thema hier unterzubringen: Ein Aufsatz von Burkhard Hirsch in der Zeit zum Thema "grosser Lauschangriff". Der ist zwar schon ziemlich alt, ist aber eigentlich immer aktuell. Mir tuts ja richtig Leid, dass ich früher das "Freiheitlich" bei der FDP nie so richtig wahrgenommen habe und immer nur deren Wirtschaftsliberalismus gesehen hab. Ein Zitat aus der "Abweichende Meinung" zweier Richterinnen des BGH zum damaligen Urteil finde ich auch einfach passend: "Inzwischen scheint man sich an den Gedanken gewöhnt zu haben, dass mit den mittlerweile entwickelten technischen Möglichkeiten auch deren grenzenloser Einsatz hinzunehmen ist. Wenn aber selbst die persönliche Intimsphäre, manifestiert in den eigenen vier Wänden, kein Tabu mehr ist, vor dem das Sicherheitsbedürfnis Halt zu machen hat, stellt sich auch verfassungsrechtlich die Frage, ob das Menschenbild, das eine solche Vorgehensweise erzeugt, noch einer freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie entspricht. Umso mehr ist Art. 79 Abs. 3 GG streng und unnachgiebig auszulegen, um heute nicht mehr den Anfängen, sondern einem bitteren Ende zu wehren." Nachtrag 7.2.: Soeben ist ja die Frau Zypries auch in meiner Achtung gestiegen. Im Gegensatz z.B. zum BKA-Chef Zierke mit seiner Aussage "Die Online-Durchsuchung ist unerlässlich für die Strafverfolgung. Wir finden heute im Internet Bombenbauanleitungen, Aufträge für die Durchführung von Anschlägen, die Rekrutierung junger Menschen zum Dschihad. Das Internet ist das entscheidende Kommunikationsmittel des internationalen Terrorismus und die Szene arbeitet hoch konspirativ, das heißt sie arbeitet verdeckt, sie verschlüsselst, anonymisiert." "Wir werden den Beschluss des Gerichts erst einmal genau prüfen. Aus meiner Sicht müssen die Praktiker, also die Strafverfolgungsbehörden, sehr genau darlegen, warum sie zwingend erforderlich Computer ohne das Wissen der Beschuldigten durchsuchen wollen. Wenn dies geschehen ist, müssen wir uns überlegen, welche Folgen dieser erhebliche Eingriff in die Privatsphäre haben könnte. [...] Es geht eben nicht um Internet, Online-Anwerbungen für Terroristen, Kinderpornochats und Bombenbauanleitungen. Es geht bei der online-Durchsuchung darum, den Rechner mit all seinen dort gespeicherten Daten, die womöglich auch nie für irgendeinen Kommunikation bestimmt waren, zu filzen. Und es geht vor allem darum, dass diese virtuelle Hausdurchsuchung heimlich passieren soll. Das wovon Herr Zierke erzählt, die Überwachung der Kommunikation, darf er nämlich schon, und seine Kollegen machen davon auch 42000 Mal pro Jahr gebrauch. Irgendwie verstehe ich die aufgeregte Forderung nach einem möglichst über Nacht beschlossenen Gesetz eh nicht. Die Bundesregierung kennt ganze 4 Fälle (PDF), in denen die Fahnder überhaupt schnüffeln wollten (gesetzeswidrig, wie man heute weiss). Für die Entwicklung dieses hochkomplizierten Amtsvirus haben sie ganze zwei Planstellen vorgesehen und wollen 200000 Euro ausgeben. Das Ding wurde bisher also weder gebraucht noch ist es abzusehen, dass die den Trojaner irgendwann zum laufen bringen werden. Die Innenpolitiker und die Polizisten tun aber alle so, als müssten unsere Ordnungshüter jetzt plötzlich alle ihre Waffe abgeben. Dienstag, 30. Januar 2007Pseudonymisierung
Bei Heise steht ein Artikel über das neue Telemediengesetz und dass man in Zukunft aufpassen muss, dass man seinen Besuchern auch schön mitteilt, was man von ihren Daten so speichert.
Irgendwie ists ja schon komisch mit den Logdateien. Jeder Serverbesitzer hat seine Apache-Logs, die Protokolle des Mailservers, die Logfiles seiner IP-Tables und aller sonstigen Programme, die einem das /var/log-Verzeichnis zumüllen. Jeder will seine awstat-Auswertungen und seine Counter, auch ich hänge täglich an den Logfiles und freue mich riesig, wenn wieder einer über den Suchbegriff "Kambodscha Massage ohne Verkehr" zu unserer Seite gefunden hat. Aber keiner (ausser der Werbeindustrie) will personenbezogene Daten dauerhaft haben und für die Vorratsdatenspeicherung will sich sowieso keiner hergeben. Ich halte es deshalb so, das ich die Daten, die ich für den Serverbetrieb für wichtig halte, maximal eine Woche aufhebe. Dazu gehören z.B. die Logs des Mailservers, weil ich gern die Spammer und Relay-Tester besser kennenlernen will. Oder auch die Logs des Webservers und des sshd, weil ich gerne wissen will, ob der Typ, der im Gästebuch rumpöbelt der gleiche ist, der auch versucht, sich per ssh auf dem Server anzumelden. Nach einer Stunde pseudonymisiere ich die Logfiles des Webservers, die anderen Logs werfe ich nach einer Woche weg. Zum Pseudonymisieren werden die Logs durch ein kleines perl-Skript geschickt, das die Usernamen löscht, von den IP-Adressen die letzten 2 Bytes durch 0 ersetzt und von den Hostnamen den ersten Teil durch ein Zufallsbuchstabenkombination ersetzt. Diese Zufallszeichenkette ist so gebaut, dass zwar ein bestimmter Hostname bei der Eingabe eindeutig zu einem bestimmten Namen in der Ausgabe wird, dieser Vorgang aber nicht umkehrbar ist. Damit bleibt alles erhalten was die Neugier des Besucherstatistikers erfreut: Der Provider ist noch erkennbar, der verwendete Browser, der Referer, die aufgerufenen Seiten und ein einzelner Besucher bleibt erkennbar und zählbar (soweit das halt überhaupt geht). Die lästige intime IP-Adresse ist aber weg. Das gilt natürlich nicht für den kostenpflichtigen Teil des Angebotes. Hier müssen wir schon zur Rechnungslegung und Missbrauchsverfolgung alles speichern. IP-Adressen in Kommentaren werden übrigens dank des Plugins "Delete Comment IP" hier ebenfalls nach fünf Tagen gelöscht. Allerdings lösen diese Kommentare gelegentlich Mails an mich aus, in denen die IP-Adrese drinsteht und meine Mails lösche ich nur ab und zu. Technischer Kram zum Pseudonymisieren steht im oben verlinkten Script. Wer das auch hernehmen mag, kann sich bedienen. Nachtrag 26.2.: Auch der oberste Bundesdatenschützer scheint 7 Tage für ok zu halten. Aus heise: Gemäß dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar ist die von der T-Com jetzt praktizierte einwöchige Vorhaltung von Verbindungsdaten bei Flatrates gesetzeskonform und datenschutzverträglich. "Als Aufsichtsbehörde versuchen wir, das geltende Recht bei den Telekommunikationsunternehmen durchzusetzen", erklärte Schaar gegenüber heise online. Das heranzuziehende Telekommunikationsgesetz (TKG) erlaube in den Paragraphen 96, 97 und 100 eine Verwendung von "Verkehrsdaten" zur Entgeltberechnung und zur Missbrauchseingrenzung. Nach Paragraph 109 TKG sei der Anbieter ferner verpflichtet, angemessene Maßnahmen zum Schutz des Netzes gegen unerlaubte Zugriffe beziehungsweise äußere Angriffe zu treffen. "Bei einer siebentägigen Frist ist dies genau der Fall", warb Schaar für seinen in Gesprächen mit der Deutschen Telekom durchgesetzten Vorschlag. Nachtrag 6.10.: Ich pseudonymisiere jetzt nach maximal 1 Stunde, zuvor hab ich das wöchentlich erledigt. Montag, 29. Januar 2007Adrenalin
Bei der Münchner Polizei hab ich einen netten Link zur "Graffitiseite München" gefunden, leider ohne allzu viele schöne Bilder. Ich frag mich allerdings ob Sätze wie "Aufgrund des hohen polizeilichen Verfolgungsdrucks erhöht sich auch der Adrenalinspiegel des Writers. Er glaubt sich überall und zu jeder Zeit beobachtet und verfolgt." wirklich abschreckend wirken. Könnte auch der Plot zu einem geilen Rollenspiel sein....
Die Bilder dort darf man leider nichtmal klauen, die machen Urheberrechte geltend (das heisst vermutlich, sie haben die Künstler erwischt und sich zur Strafe die Nutzungsrechte abtreten lassen), so bleibt also nur meine inzwischen auch übermalte Lieblingswandschmiererei zur Illustration.
Sonntag, 28. Januar 2007Angst
Nach Lektüre der Online-Ausgabe der Süddeutschen kann ich garnicht mehr richtig schlafen, geschweige denn surfen.
Allein die Überschriften machen mir Angst: Grenzenlose Illegalität, Kopiermaschine Internet, Kriminalität Internet, Gaunereien nach Höchstgebot, Die Blendung mit der Maus, Falsche Freunde, "Dann hätte ich richtig Angst!", Aus die Maus, Inseln der Gesetzlosen, Die Fischer im Netz lernen dazu. Obwohl: Wenn ichs genauer durchlese, reichts einfach, wenn ich immer im Hinterkopf behalte, dass es nichts umsonst gibt. Keine 1000 kostenlosen mp3s, keine 100 Gratisklingeltöne und nicht eine einzige Frei-SMS. Und der wichtigste Rat von allen: Gib niemals Deine Adresse oder Telefonnummer im Chat an! Da kommts zwar seltener zu Treffen im echten Leben, aber sicher ist sicher. Samstag, 27. Januar 2007Original-Kinderwagerl
Das Original-Kinderwagerl stammt übrigens aus Russland. Ich fands wichtig das mal zu erwähnen, wo doch überall irgendwelchen Kinderwägen über Treppen rollen, bei den Simpsons unten auch explodieren und man nur selten erfährt, wers erfunden hat.
(Bei Youtube gefunden, aus dem Film Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Michailowitsch Eisenstein, 1925)
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