Samstag, 14. April 2007Leserbriefnoten
Spiegel und Süddeutsche sind ja schon lange darum bemüht, ihr Online-Leser durch rege Beteiligung mit in die Zeitung einzubinden. Der Spiegel macht schon seit langem ein Forum zu jedem möglichen und unmöglichen Bericht (ganz aktuell: Benedikt XVI. - ein überzeugender Papst?) und auch die Süddeutsche erlaubt zu jedem Artikel Leserbriefe. Richtige Foren sind das natürlich beides keine, eher Kommentare zum Artikel, zum Forum fehlt die Möglichkeit eigene Threats zu gründen.
Die Süddeutsche ist jetzt noch einen Schritt weiter gegangen. Dort dürfen jetzt Leser andere Leser benoten und einen Knopf für "Petzen" (ja, der heisst echt so) gibt es auch, der dient zum Benachrichtigen eines Moderators: ![]() Ich bin gespannt, ob das gut geht.... Heise hat diese Form des kleinen Schnellgerichts ja schon lange: ![]() Ein bisschen läuft das dort aber aus dem Ruder. Dort wird ja schon lange nicht mehr nach "lesenswert" und "gelaber" geurteilt sondern nach "meine Meinung" und "andere Meinung". Besonders deutlich wird das bei allen Artikel die sich mit Betriebssystemen und den Firmen oder Organisationen dahinter beschäftigen. Dort heisst rot einfach "Windows-Anhänger" und grün heisst "Open Source-Fan". Vielleicht hätte die SZ rot/schwarz/gelb/grün als Benotung vorgeben sollen. Und noch irgendeine Farbe, die dort wirklich alle hassen... Ich geb ihnen 4 Wochen, dann ist der Moderator verschlissen weil alle Leute beschweren sich über falsche Bewertungen und sie werden sehen, dass man Leserbenotung nicht den anderen Lesern überlassen darf. Donnerstag, 12. April 2007Grablügen
Zu Öttingers Grabrede fällt mir ja nichts mehr ein, was Rolf Hochhuth in der Süddeutschen nicht besser schreiben kann. Über den von Hochhuth geschilderten Fall des Matrosen Walter Gröger findet man auch massig im Netz. Die Geschichte von Kurt Petzold finde ich dabei eigentlich viel bezeichnender für den Juristen und Politiker Filbinger, auch wenn sie ganz im Öttingerschen Sinne nicht tödlich endet. Ich hab sie in "Ingo Müller: Furchtbare Juristen" gefunden und tipp sie mal ab, beim Lesen sollte man noch wissen, dass die deutsche Wehrmacht am 8. Mai 1945 kapituliert hatte:
Unglückseligerweise haben die Alliierten ausgerechnet dem Treiben der deutschen Kriegsgerichtsbarkeit nicht gleich ein Ende gesetzt. Sie schafften zwar die Militärgerichte generell ab, beließen aber -- zur Aufrechterhaltung der Disziplin bei der Auflösung der Wehrmachtsverbände -- die Feldkriegsgerichte auch nach der Kapitulation im Amt. Zwar hatten diese hinfort nur die Berechtigung, Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren auszusprechen -- für höhere Strafen brauchten sie die Genehmigung der Militärregierung -- , materiell urteilten sie aber noch ganz im alten Sinne. Das musste auch der Gefreite Kurt Petzold schmerzlich erfahren. Im Vertrauen auf das Ende der NS-Herrschaft hatte er am 10. Mai einen Befehl seines Batteriechefs mit den Worten verweigert: "Die Zeiten sind jetzt vorbei. Ich bin ein freier Mann. Ihr habt ausgeschissen, ihr Nazi-Hunde. Ihr seid schuld an diesem Krieg. Ich werde den Engländern schon sagen, was ihr für Nazi-Hunde seid, dann kommt meine Zeit." Bilderflut
Mit seinen neuesten Ideen, sämtliche Passbilder, gerne auch Fingerabdrücke aller Bürger und Mitbürger online bei den Passämtern abrufbar zu halten, scheint unser Innenminister selbst seine sonst so willigen Koalitionspartner ein bisschen verschreckt zu haben. Aber das macht nichts, die haben bisher unter Protest ja alles mitgetragen, was von ihnen verlangt wurde.
"Bilderflut" vollständig lesen Dienstag, 10. April 2007Frühling in der Stadt
An Ostern haben wir uns unter die Touristen gemischt und München erkundet. Man kommt ja sonst so selten in die Gegenden, die eigentlich nur für Besucher vorgesehen sind. Und so gibt es neben den Wunderlichkeiten der hiesigen Orthographie auch ein paar Bilder von Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten zu sehen.
Höchstmaß an Datenschutz
Nichtmal eine Woche nach Eröffnung der Antiterrordatei hat der Focus schon Informationen über deren Inhalte. Dass der Herr Kurnaz dort gespeichert ist, sollte ja niemanden verwundern, die ganze Geschichte baut ja auf dem Prinzip auf "Leute von denen wir glauben, dass sie selbst, oder Leute die sie kennen ...". Verwunderlich ist vielmehr, dass der Focus das aus irgendwelchen Quellen erfährt und dann dazu auch von Bremer Sicherheitsbehörden Auskunft erhält:
Sicherheitsexperten in Bremen verweisen auf die Bundesbehörden. Ein hochrangiger Bremer Beamter sagte zu FOCUS: "Von uns hat Kurnaz niemand in die Anti-Terror-Datei eingestellt." Vielleicht ist das auch eine Ente vom Focus, bei dessen bekannter Nähe zu unseren Sicherheitsorganen ist das aber eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher erscheint mir eher, dass entgegen Schäubles Meinung über seine neue Datensammlung Zum anderen gewährleistet sie ein Höchstmaß an Datenschutz. Dieser Punkt ist mir besonders wichtig, da gelegentlich behauptet wird, die Maßnahmen der Terrorismusbekämpfung gingen stets zulasten des Datenschutzes und der Freiheitsrechte. die Daten halt doch nicht gegen Verrat und Verkauf gesichert sind. Man sollte diesen Typen von den Geheimdiensten keine weiteren Daten anvertrauen. Sie können einfach nicht darauf aufpassen... Interessant wäre ja noch, ob die Focus-Info "ihn unter Ziffer 1b -- Mitglied einer unterstützenden Gruppierung -- in die neue Anti-Terror-Datei aufzunehmen" schon aus der "erweiterten Grunddatei" kommt, auf die Behörden nur auf Anfrage und mittels eines so genannten Verschlusssachen-Netzes, das es ermöglicht, auch bis zum Geheimhaltungsgrad "Geheim" eingestufte Daten in der Antiterrordatei sicher zu verarbeiten Zugriff haben.
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