Donnerstag, 23. August 2007Schwere Sprache
Ich dachte ja, die GEZ nimmts locker, wenn man ihre Inkassomethoden ein bisschen kommentiert, aber anscheinend kann die auch recht verbissen sein, wenn sie sich von
akademie.de hat jedenfalls eine Liste mit Vokabeln bekommen, die nicht mehr im Zusammenhang mit der GEZ verwendet werden sollen. "GEZ-Brief" soll dort bitte in Zukunft mit "Informationsschreiben der GEZ und/oder Schreiben, mit dessen Hilfe der gesetzliche Auskunftsanspruch des § 4 Abs. 5 RGebStV geltend gemacht wird" übersetzt werden. Die Anmeldung eines Gerätes soll zukünftig auch nicht mehr "GEZ-Anmeldung" genannt werden oder schmucklos "Anmeldung für den Privathaushalt" wie es die GEZ selbst tut, sondern "gesetzlich vorgesehene Anmeldung von zum Empfang bereit gehaltener Rundfunkgeräte". Das macht die Berichterstattung irgendwie schrecklich holprig, aber vermutlich schmeichelt die gespreizte Ausdrucksweise dem gequälten Sprachempfinden Ganz schön mühsam, immer die passenden Worte rauszusuchen, und mal wieder Zeit, auf den alten Beitrag hier zu verweisen. Einfach die GEZ und die öffentlich rechtlichen Sender für die Nutzung anderer Leute Webseiten zur Kasse bitten. Mal ehrlich, so viele Zuseher wie der ZDF-Theaterkanal haben selbst wir hier und die meisten Seiten im Internet sind wesentlich unterhaltsamer als das Vorabendprogramm der ARD. Die zahlen zwar bisher nicht für die Nutzung dieser schönen Seite, aber solange sie nicht zahlen sind sie ausgesperrt und man hat mindestens so viel Freude an den Logfiles mit den ausgesperrten IP-Adressen wie der GEZ-Jurist an der Formulierung " (Den Link hab ich bei Heise gefunden) Mittwoch, 22. August 2007Google-Fahndung[seiner Anwältin] Clemm zufolge haben die Fahnder des BKA im Internet nach bestimmten Stichworten gesucht, die auch die "militante gruppe" in ihren Bekennerschreiben benutzt. Darunter seien Begriffe wie "Gentrification" oder "Prekarisierung". Da H. zu diesen Themen forsche, seien die Fahnder auf ihn aufmerksam geworden. "Das reichte für die Ermittlungsbehörden für eine fast einjährige Observation, für Videoüberwachung der Hauseingänge und Lauschangriff", so Clemm. Überhaupt war der Mann total verdächtig... Trifft sich mit mutmasslichen Kriminellen konspirativ (also ohne sein Handy mitzunehmen) und hat "als Mitarbeiter eines Forschungszentrums Bibliotheken zur Verfügung stehen, die er unauffällig nutzen kann, um die zur Erstellung der Texte der Militanten Gruppe erforderlichen Recherchen durchzuführen" [Quelle]. Seit heute ist er übrigens wieder gegen Auflagen draussen. Der Staatsanwalt hat dagegen Berufung eingelegt. Das mit den Bibliotheken find ich ja fast beleidigend. Ich kenne zwar die Texte der mg nicht, aber ich hoffe doch, dass ein promovierter Soziologe aus eigenem Wissen und Bücherbestand in der Lage ist, ein linkes Flugblatt zu schreiben. Nicht das die Leser auch noch in die Bibliothek rennen müssen, um das zu verstehen. Andererseits... vieleicht doch... Vor meiner Berufschule standen auch immer Leute und haben uns die "Marxistisch-Leninistische Arbeiterzeitung" in die Hand gedrückt. Hat bei uns auch keiner kapiert, was da drinstand, so ganz ohne Studium des dialektischen Materialismus. Freitag, 17. August 2007Simplicissimus online
Eine Arbeitsgemeinschaft von Archivaren hat sich die Mühe gemacht, alle Jahrgänge von 1896 bis 1944 des Simplicissimus zu scannen und als PDF online zu stellen. Natürlich nicht nur die Texte, wär ja langweilig bei so einer bildlastigen Zeitung, sondern als Faksimile, in Farbe, samt Grafiken und Anzeigenteil. Ein Inhalts- und Autorenverzeichnis als normaler Text haben sie auch dazu getippt.
Vieles davon versteht man natürlich nicht mehr. Die Andeutungen auf das aktuelle Geschehen sind heute so unverständlich wie es in 100 Jahren Andeutungen auf Verteidigungsminister in Swimmingpools oder stammelnde Ministerpräsidenten sein werden. Das Titelbild vom 1. April 1902 zum Beispiel mit einer Armee von Sektflaschen die ein Kriegsschiff verlassen, kapiert man nur, wenn man rausbekommt, dass der Sinn der damals eingeführten Sektsteuer die Finanzierung der kaiserlichen Kriegsmarine war. Ist das eigentlich immer noch so? Süffeln wir Schaumwein für unsere Soldaten am Horn von Afrika? Wahrscheinlich nicht. Auch das wird bei kommenden Generationen nicht anders sein, wenn sie ihren Opa fragen müssen, was dieser Begriff "Solidaritätszuschlag" auf ihrer Lohnabrechnung eigentlich bedeutet. Auch der Reklameteil der Zeitung wird nach so langer Zeit wieder lesenswert. Neben wirklich schönen Autos mit 3 PS findet man allerhand Anzeigen zu Beauty und Wellness sowie einige Dinge, die man heute so nicht mehr bewerben würde... Angeblich von Lesern eingesandte Witze waren übrigens auch schon im 19. Jahrhundert so platt wie heute: Der Kultusminister besichtigt eine Kunstsammlung. Der führende Gelehrte macht ihn darauf aufmerksam: "Sehen Ew. Exzellenz die herrliche Färbung dieser Vase, diesen herrlichen Ton!" Seine Exzellenz nähert sein Ohr der Vase und klopft mit dem Zeigefinger daran: "Ah! Sehr schön!" (Bilder aus dem Simplicissimus. "Motorwagen" 4/24 Sept. 1899, "Schnurrbart" 11/6 Mai 1906, "Nasenformer" 25/5 Apr. 1920, "Excelsior" 4/15 Juli 1899, "Photographien" 4/24 Sept. 1899) Nachtrag: Das Titelbild hab ich wieder rausgenommen, der Zeichner Thomas Theodor Heine ist 80 Jahre alt geworden und starb 1948, seine Bilder bleiben noch 11 Jahre geschützt, auch wenn sie vor 105 Jahren gezeichnet wurden. Also müsst Ihr selber in den PDFs suchen, macht eh Spass, dort zu schmökern. Donnerstag, 16. August 2007Alles Unsinn
Ich muss meinen Beitrag vom 3.8. zurücknehmen. Das war alles Stuss, was Herr Ziercke und seine zwei Experten der Chip verraten haben. Sagt jedenfalls das BKA:
Eine BKA-Sprecherin erklärte auf Nachfrage, das Gespräch mit Ziercke sei nicht autorisiert gewesen. Wie muss man sich diese Sommerpause in der Politik eigentlich vorstellen? Handeln die zurückgebliebenen untergeordneten Beamten eigentlich im Auftrag und schmeissen Nebelgranaten wenn der Chef weg ist? Oder muss ich mir das eher so vorstellen, dass die Eltern aus dem Haus sind und die Kinder in der sturmfreien Bude Party machen und sich ein neues Terrorabhörzentrum aus den Sofakissen zusammenschieben wo sie dann zusammensitzen und sich Szenarien irgendwo zwischen 007 und Star Wars ausdenken? Fest steht: Nix genaues weiss ma ned. Die Fachwelt rätselt wies funktionieren soll, aber alle sind sich ganz sicher, dass man die Online-Durchsuchung dringend braucht und man keinen Tag länger warten darf. Freitag, 10. August 2007Dresdner SpamMeine Bank passt sich nun dem Werbemüllniveau der seriösen Gewinnbenachrichtigungen an. Die "Beraterbank" verschickt ganz unbunte, seriös aussehende Schreiben an ihre Kunden um ihnen neue Verträge anzubieten. Ich habe dort nur ein Girokonto und bekam ein Schreiben meiner Filiale: Mit der Bitte um Ich hab mir zwar schon so halb gedacht, dass die gar nicht mein Konto meinen, sondern mir einen Bausparvertrag aufschwatzen wollen, aber vielleicht war das ja auch ein Versehen, und da ruft der blöde Kunde natürlich an. Das mit dem Bausparvertrag war falsch, mein Berater wollte mit mir über meine Altersvorsorge reden.Ich hab ihm dann gesagt, dass ich meine Reklame in Zukunft gerne wieder bunt und erkennbar haben möchte. Ich glaube er hat mich nicht so richtig verstanden, weil die "Aktion bisher eigentlich bei allen Kunden sehr gut angekommen" sei. Aber der freundliche Mann wollte irgendwo vermerken, dass ich andere Formen der Kundenansprache bevorzuge. Schaun wir mal, was die Bank macht, wenn sie wirklich mal einen Rückruf haben will in einer Sache, die sich tatsächlich um die bestehenden Geschäftsbeziehungen dreht. Auf den seriösen Brief falle ich ja nicht mehr rein, da müssen sie sich schon was anderes überlegen. Deutlich erkennbare handschriftliche Notizen auf einem handgeklebten Post-it z.B. könnten mich noch an den Hörer locken.
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