Donnerstag, 5. April 2007Die Herrschaftsmaschine
»Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will die Rechtsordnung dieses Landes verteidigen, indem er sie abschafft. Dabei sind Bürgerrechte kein lästiger Bremsklotz, sondern der Kern der deutschen Rechtsordnung.
Die Zeit freundlicher Kritik und ständiger Mahnung, bei der Terrorismusbekämpfung Augenmaß zu wahren, geht zu Ende. Nun ist Widerstand geboten. Unter der neuen "Sicherheitsarchitektur", die der Innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die Verwandlung der Bundesrepublik in einen Überwachungsstaat....« schreibt Burkhard Hirsch heute in der Süddeutschen. Mittwoch, 4. April 2007Kinderhandy
Die CDU in NRW will einen Jugendschutz fürs Handy einrichten. Im Prinzip geht es darum, die Bluetooth-Schnittstelle per PIN zu schützen, die natürlich nur die Eltern wissen. Damit wäre zumindest dieser Verbreitungsweg von Gewalt und Porno verbaut.
An das naheliegende Problem, dass nämlich die Kinder die PIN programmieren können, die Eltern aber eher nicht, haben sie auch gedacht: Hinweisaufkleber auf den Verpackungen sowie ein so genanntes Elternposter sollen Vater und Mutter über die integrierten Jugendschutzfunktionen der Hightech-Spielzeuge ihrer Sprösslinge aufklären. Mein Handy hat zwar kein Elternposter dabei, aber als Vater würde ich damit die Kinder bestens geschützt vermuten. Motorolas Sprachgebrauch erleichtert es einem nicht gerade, bei der Gebrauchsanweisung überhaupt an Filme oder Bilder zu denken: Kopieren von Objekten auf ein anderes Gerät Ich würde gern wissen, wie so ein Hinweisaufkleber aussehen soll. "Ihr Kind könnte Mediaelemente ausserhalb der elterlichen Wohnung transferieren" wird nicht reichen... Völlig unklar ist mir an der Pressemitteilung ja der Satz Der CDU-Medienexperte schließt aber auch gesetzliche Maßnahmen nicht aus. So könne im Medienstaatsvertrag geregelt werden, dass nur noch die Medien digital an mobile Geräte gewerblich vertrieben werden dürfen, die über eine Alterskennzeichnung einer anerkannten Selbstkontrolle verfügen und ausschließlich auf einem sicheren Endgerät ausgeführt werden dürfen. Jarzombek: "Sicher bedeutet hierbei, dass das Endgerät keinerlei unsignierte Inhalte mehr abspielt. Damit wird die Durchsetzung dieser Jugendschutzregelung gewährleistet." Zum einen dachte ich immer, dass die lieben Kleinen die Pornos ganz uneigennützig tauschen und kopieren. Oder gibts inzwischen schon Jamba-Abos mit Prügelszenen? Zum anderen soll doch gerade das selberfilmen und -knipsen von Gewaltszenen unterbunden werden. Wenn man das Problem so lösen will, dass man das Abspielen von selbstgemachten (also immer unsignierten) Bildern technisch verhindern will, könnte man ja gleich den Eltern raten, bei allen Jugendlichen das Objektiv zu zerkratzen. Dann hätte sich das Problem viel einfacher erledigt. Schliesslich dürften sonst nur Erwachsene sehen, was die Kinder so an Videos aufnehmen. Ihren Kindern könnten sie das allerdings nicht schicken. Weil auch Erwachsene könnten ja nicht signieren.... verwirrend, irgendwie... Sonntag, 1. April 2007Hinrichtungsspiele
Gerade habe ich bei Myvideo ein schön zusammengeschnittenes Video gefunden, das unseren Innenminister bei seiner Freizeitbeschäftigung zeigt.
Es ist wirklich erschütternd. Herr Beckstein schiesst mit einer echt aussehenden Waffe auf einen Menschen, der die Hände auf dem Rücken verschränkt hat. Augenscheinlich eine gespielte Hinrichtung. Und er hat ganz offensichtlich Spass dabei! Vielleicht hätte sein Chef, der so gerne gegen Killerspiele wettert
auch die Wirkung von gespielter Gewalt auf psychisch labile Kabinettsmitglieder berücksichtigen sollen... (Der Hinweis auf das Video stammt von www.gamer-sind-keine-verbrecher.de) Nachtrag: Ich hab jetzt auch die Quelle des Originalvideos gefunden, bei Sat1 gab es am 18.01.2007 ein Portrait der Stoiber'schen Erben Seehofer, Beckstein und Huber, da erscheint die Szene als Schlusspointe des 3-minütigen Lebenslaufs ("... für den Posten des Ministerpräsidenten scheinen alle anderen peng Kandidaten aus dem Rennen"). Leicht zu finden, wenn man sich das Durchschauen des Archivs von Sat1-Bayern mal antut. Der Tatort ist leider nicht bekannt, ich dachte zunächst, das sei beim Schichtl auf der Wiesn, aber scheinbar werden dort die Hinrichtungen ausschliesslich mit der Guillotine vollstreckt. Der Herr in Schwarz ist in der Schichtl-Truppe auch nicht abgelichtet. Ich suche weiter... Samstag, 31. März 2007Antiterrortastatur![]() ![]() Gestern hat unser Bundesinnenminister die Anti-Terrordatei eröffnet. Gehostet wird die zwar in Wiesbaden, aber dank Internet und diesem modernen Kram kann man die auch gut von Berlin aus freischalten. Die Gäste wurden dort in das neue "Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum" der Dienste und der Polizei geladen und durften Schäubles Hand filmen, wie sie die Datei eröffnet. Die ganze Zeremonie kann man sich bei der Tagesschau als Video-Stream ansehen.
Uns liegen keine genauen Kenntnisse über das Tastaturlayout der Terroristenjäger vor, Schäuble hat offensichtlich mehr Knöpfchen als wir und ausserdem eine Funktastatur (oder sie haben ihm alle Kabel abgezogen, damit nichts passiert). Wir vermuten aber, dass die Arbeitsplatzrechner ebenso gebaut sind wie unsere. Froh sind wir darüber, dass auch Pausen von der anstrengenden Jagd vorgesehen sind. Donnerstag, 29. März 2007Weltsicherheitsbericht
In den letzten Wochen hat fast jeder der was auf sich hält eine geographische Sicherheitsanalyse des Internet vorgenommen. Symantec vermutet das Böse in den USA und China, McAfee rät vor einem virtuellen Besuch Rumäniens und der Tokelau-Inseln ab und selbst der bayerische Verfassungsschutz weiss, dass wir aus China über das Internet angegriffen werden.
Zeit, auch hier die Landkarten der Plagen des Internets zu präsentieren und dabei die Gelegenheit zu nutzen, einen Link auf meinen geographischen Webcounter zu hinterlassen. Der soll ja eines Tages vermarktet werden und warum nicht von den Grossen lernen... Nach eingehender Analyse der letzten Woche haust der gemeine Computerwurm hauptsächlich in Europa, Westsibirien und im Nahen Osten. Dort stehen also die schlechtgepflegten Windowskisten und versuchen sich per Windows-Freigabe zu verbreiten. ![]() Der etwas ausgefeiltere Wurm, der sich nicht über Freigaben verbreitet, sondern durch massenweises Ausprobieren von Passwörtern an ssh oder ftp auffällt, versteckt sich auffallend oft in China und Mittelamerika. Entweder haben die Leute dort viel grösseren Bedarf an Speicherplätzen im Web, grösseres Interesse an Unix-Servern oder die Windows-Ports kommen einfach nicht durch die Grosse Chinesische Firewall. Möglicherweise gibt es dort auch mehr Linux-Rechner, soweit ich weiss, gibt es ssh-Passwortratemaschinen eher für Unix als für Windows. ![]() Zum Spamfilter fällt mir eigentlich garnichts ein. Das scheint einfach eine Karte der Computerdichte auf der Welt zu sein. ![]() Insgesamt ist allerdings die ganze Welt nicht so lästig wie Deutschland und seine Nachbarländer. Das wird vermutlich zum einen daran liegen, dass in Europa einfach mehr Computer pro Quadratmeter stehen als in Asien, zum anderen viele Würmer benachbarte Adressen bevorzugen und hier ja nur an einem einzigen Server gemessen und gezählt wurde. Aber solange Hessen mehr Spam absondert als ganz Indien, gibt es eigentlich keinen Grund, Weltkarten mit Stecknadeln zu versehen. Und besucht ruhig Tokelau, die Südsee scheint virenfrei!
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