Die lange erwartete erste EP der Pyroponys ist fertig, die erste handnumerierte und mundgeblasene Auflage wurde ausgeliefert. Nach grossen Bühnenerfolgen bedienen die kleinen Pferde nun auch Konsumenten der Musikkonserve und ich gehöre zu den Privilegierten, die ein Exemplar ergattern konnten.
Der Schein
Schon die Verpackung macht Spass. Eine Papphülle mit der hoffnungsvollen Aufschrift "Don't worry - be happy" lässt sich leicht öffnen wie die Hülle eines Doppelwhoppers und gibt den Blick frei auf ein aufwändig fotografiertes Cover mit den drei Interpreten auf einer Startbahn. Hier erfährt man auch den Titel der Scheibe:
"fire the hidden"
Passend zum Namen der Band präsentiert sich die CD in pornösem Rot auf der Unterseite und einem Trommelfell auf der Vorderseite. Ein Booklet mit Hintergrundklatsch über die Band fehlt, was aber kein Nachteil ist, die Bandmitglieder nehmen sich einfach selbst zurück um Blick und Gehör ganz auf die Musik zu lenken. Mitsinger können sich die Texte auf der Homepage der Gruppe ansehen.
Der Ton
Pyropony macht ehrlichen, schmutzigen, verschwitzten Saunasound. Riffgewitter wechseln sich mit harmonischen Passagen ab, Jazz, Pop und Polka mögen einen Einfluss haben und in den Interludes und im Finale zeigen die drei Künstler die virtuose Beherrschung ihrer Instrumente. Selbst die Freunde klassischer Westerngitarre wähnen sich zwischen den Stücken gelegentlich whopperauspackend am Lagerfeuer wo der Bassist und Kuhjunge Manu mit schwieligen Händen über den Hals seiner Präriegitarre schrubbt während Trommelbub Chris A sekundentaktgenau die Kuhglocke schlägt.
Die einzelnen Lieder sind sehr unterschiedlich, doch niemals flach. Mal von einer Leichtigkeit in Takt und Ton wie "Snooze Patrol" wo schwerer Text in leichten humpa-2/4-Takt verpackt ist, mal verwirrend in Rhythmus und Text, wie etwa gleich das erste Lied "Thirteen". Bei diesem Stück vereinen sich harte Schläge mit lustigem Lala und einem Songtext, der Ratlosigkeit zurücklässt.
Zusammengehalten wird die Vielfalt der Songs durch die sensible Stimme des Frontmanns und Texters Chris B, der es versteht, Hoffnung und Sehnsucht, Verzweiflung und Zorn in seinen Ausdruck zu legen, ohne jemals schreiend zu wirken. Hier merkt man einfach, dass auch die Texte handgemacht sind und von einem Sänger interpretiert werden, der seine eigenen Erfahrungen aussingt und Lyrik zu Gehör bringt, deren Inhalt sich dem Zuhörer nicht in all seinen Facetten erschliessen kann.
Der Preis
Keiner. Die Lieder stehen unter dieser Creative Commons-Lizenz und können frei verbreitet werden. Trotzdem lohnt sich die Anschaffung der Scheibe, sobald die Vermarktung der Ponys mal angelaufen ist. Noch ist das Merchandising der Pferde allerdings etwas zäh...
Kommentare