... nämlich einen Nameserver. Ich verwende sowohl privat als auch beruflich seit Jahren eigene Server für DNS. Damit bin ich unzensierbar, zumindest was den ersten Umsetzungsversuch einer Netzsperre betrifft. Der Grund ist nicht die Angst vor dem Provider, sondern die Idee,
dass man kritische Infrastruktur, die man billig selbst betreiben kann,
nicht andere machen lässt. Nameserver brauche ich sowieso und wenn
man sie selbst nutzt, merkt man auch als erstes, wenn sie ausfallen. Ich hab da ja nie ein grosses Problem drin gesehn, bewusst wurde mir die Zensurresistenz auch erst als mein Provider youporn gesperrt hat und ich nichts davon gemerkt hab (hätte ich eh nicht, youporn kenne ich erst seit es gesperrt war...).
Auch mit Einführung des Zugangserschwerungsgesetzes dachte ich, ich muss mich da nicht drum kümmern, immerhin werden dort in §2 nur Provider verpflichtet, die mehr als 10000 Kunden haben. Allerdings weiss ich jetzt, dass alle Endkunden und Kleinprovider ein echtes Risiko eingehen. Falls sie nämlich in die Fänge des BKA geraten, weiss das sofort, dass sie vorsätzlich gehandelt haben, sagt zumindest der Präsident davon (Mitschrift einer Veranstaltung der Jusos in Mainz, ich hab das MP3 ab 1:05:56 nach bestem Wissen abgetippt. Gesprochen klingt das übrigens weniger wirr, aber ich kann ja schlecht das gesprochene Wort ins Reine schreiben...)
[Einwand aus dem Publikum, die DNS-Sperre sei sinnlos, weil sie jeder umgehen könnte, indem er nicht den Nameserver seines Providers nutzt]
Zierke: [...] Und wenn Sie hier der Meinung sind, dass man von vornherein sagt, das was strafbar ist interessiert eigentlich garkeinen. Genauso wie Sie bei Rot über die Strasse gehen - keine Polizei da - machen Sie das einfach. Dann haben Sie ein Problem: Ich sag Ihnen ja, das ist ganz klar, Sie haben ein Problem.
Wenn wir im Rahmen unserer Ermittlungen dann eine solche [unverständlich: Group, Crew, Coup, Kuh?] dann irgendwann mal - wir haben ja Tausende von Beschuldigten in bestimmten Verfahren - aufreissen, und man dann dazu kommt und man sagt "Vollziehen wir doch mal nach, was in dem Computer" - ich hab ja hier davon gesprochen: tausende von PCs sichergestellt - dann schauen wir uns ganz genau an, welchen Weg Sie gegangen sind mit welchen Adressen.
Und dann kann ich sagen, dann ist das Risiko, das Sie eingegangen sind, nämlich deshalb ein Risiko, weil wir sagen können "Sie haben mit Vorsatz dieses umgangen". Und das ist die Information für den Staatsanwalt und den Richter.
Und von daher kann ich die Diskussion, dass das ganze nicht wirkungsvoll ist, nur dann verstehen, wenn Sie der Meinung sind "Gesetzte muss man nicht beachten". Dann haben Sie recht. Dann haben Sie absolut recht. Aber dann muss ich auch sagen "Der Fahrraddiebstahl [...] [ist in Ordnung]" [...]
Ich sehe da nur eine Lösung: Ich brauche die Sperrliste. Ich hab ja nichts dagegen, die BKA-Liste immer fleissig einzupflegen, das "täglich aktuell" will ich lieber nicht versprechen, aber ansonsten bin ich gerne dazu bereit. Schliesslich will ich das Gesetz sowohl beim Radldiebstahl als auch bei Kinderpornos stets beachten. Keinesfalls möchte ich unsere Rechtsordnung völlig negieren, wie mir unser Oberpolizist vorwirft.
Das Problem von Herrn Zierke allerdings ist vermutlich, dass er mir die Liste nicht geben will. Vermutlich will er sie überhaupt nur seinen fünf oder sechs Lieblingsprovidern geben. Alle anderen lässt er mit der Drohung "Sie haben ein Problem" im Regen stehen. Ich versteh das auch ein bisschen, der kennt mich ja nicht und weiss nicht, ob ich seine Liste auch gut genug geheim halte. Ausserdem müsste er ja zehntausende mit diesen Listen versorgen und da ist bestimmt ein unzuverlässiger dabei. Sämtliche Firmen mit eigener Infrastruktur, Kleinprovider und Privatleute müssen die Listen bekommen. Das Problem der Weitergabe an Unirechenzentren mit über zehntausend Studenten hat das BKA sowieso schon am Hals.
Blöd nur, dass er dieses Problem nicht erkennt, und anscheinend keiner seiner Berater vorher gesehen hat. In der vereinfachten Form des Internets, so wie es unsere Spitzenbeamten und Minister kennen, gibt es halt nur "Provider" und "Kunden":
- "Kunden" entspricht etwa dem, was man auch als "Wähler" oder in der Rhetorik als "einfacher Mann auf der Strasse" kennt.
- "Provider" sind die wichtigen Leute, die einen zu Kongressen, Sitzungen und Partys einladen, wo sie einem so lustige Titel wie "Internetpolitikerin des Jahres" verleihen. Ausserdem sind die reich an Geld und Einfluss.
- "Provider" haben Server und Infrastruktur
- Kunden müssen alles vom Provider beziehen. Wenn sie sich wo anders Ressourcen besorgen, oder selber Dienste betreiben, sind sie verdächtig.
- Dazwischen gibt es nichts. Zumindest nichts, was in die Gruppe "Kunde", also "Wähler" oder "Provider" also "Party" fällt. Und wenn doch, ist die Gruppe zu klein und zu wenig mächtig, um relevant zu sein.
Ich glaube, diese Vermutung ihrer Sichtweise kann man auch gut verallgemeinern. Ähnliche Probleme haben Kleinunternehmen und Mittelständler in allen Belangen der Politik: Als einzelner nicht reich genug und als Wähler einfach zu wenige.